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Kategorie: Lautsprecher Surround
20.10.2015

Einzeltest: SW Speakers Magic Flute

SW Speakers Magic Flute

Lautsprecher Surround SW Speakers Magic Flute im Test, Bild 1
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Meinen Erstkontakt mit den Magic Flute hatte ich auf der High End in München: Diese Lautsprecher sahen dermaßen interessant und fremdartig aus, dass ich sie mir unbedingt genauer anschauen musste. Unmittelbar stellte sich mir ein elegant gekleideter Herr vor und fing ohne Umschweife an, die einzigartigen Tugenden dieser so seltsam aussehenden Lautsprecher zu lobpreisen.

Lautsprecher Surround SW Speakers Magic Flute im Test, Bild 2Lautsprecher Surround SW Speakers Magic Flute im Test, Bild 3Lautsprecher Surround SW Speakers Magic Flute im Test, Bild 4Lautsprecher Surround SW Speakers Magic Flute im Test, Bild 5Lautsprecher Surround SW Speakers Magic Flute im Test, Bild 6Lautsprecher Surround SW Speakers Magic Flute im Test, Bild 7Lautsprecher Surround SW Speakers Magic Flute im Test, Bild 8
Ich war in der Tat schon von der Formgebung und der Konstruktion an sich sehr beeindruckt – auch wenn ich zugegebenermaßen ein wenig erschrocken bin, als der freundliche Herr mich über den Kaufpreis aufklärte. Meiner Meinung nach ist es ja gerade für Lautsprecher besonders schwierig, ein sehr hohes Preisschild allein über das Preis-Leistungsverhältnis zu rechtfertigen, doch im Fall der Magic Flute hatte ich nach der fachlichen Belehrung zumindest eine vage Vorstellung davon, warum diese Klangskulpturen so viel kosten... 
Obwohl ein Paar auf der Messe spielte, habe ich die Magic Flutes in München nicht gehört – aber das macht nichts, denn ich versuche generell, Geräte nicht unter solchen mir unbekannten Bedingungen in kürzester Zeit zu beurteilen. Einige Wochen später jedoch rief mich ein Freund aus Dänemark an und versicherte mir, dass die Magic Flutes äußerst interessant seien und bot mir an, ein Paar davon zusammen mit dem Entwickler und Kopf hinter SWSpeakers, Sinan Wasif, vorbeizubringen. Nein, die Magic Flutes sind keineswegs perfekt – es gibt da einige Aspekte des Designs, die durchaus Kritik verdienen – jedoch haben sie sehr greifbare und wahrscheinlich sogar einzigartige Stärken. Das Ergebnis meiner Hörsessions jedenfalls enthüllt die Magic Flutes als äußerst ernstzunehmende Vertreter ihrer Art – auch für den geforderten Preis.
Das radikale Styling dieser Lautsprecher sorgt für sehr gegensätzliche Meinungsäußerungen. Klar, so etwas ist eine sehr individuelle Sache – aber das, worauf es wirklich ankommt, ist ein ernsthafter „Form-Follows-Function“-Ansatz, auf dem auch eine noch so eigentümliche Konstruktion basieren muss. Die Geschichte der Magic Flute begann, als Sinan Wasif im Auftrag von Volvo quer durch Europa flog. Er arbeitete an den Sound- Systemen für die Schweden, und eines Tages schaute er durch das Kabinenfenster seines Flugzeugs und bemerkte, wie geschmeidig die Düsentriebwerke sich durch Wolken bewegten, ohne auch nur die geringste Turbulenz zu erzeugen. Er fragte sich, ob eine solche Form nicht auch gut als Lautsprechergehäuse funktionieren könnte – schließlich könnte dies die Schallverteilung in den Raum wesentlich sauberer machen, störende und verfärbende Kantenrefraktionen vermeiden. 
Mit seinem Background als studierter Akustiker machte er sich also daran, den perfekten Lautsprecher zu bauen. Das Resultat ist die Magic Flute, ein echtes Statement-Produkt. Ein weiterer Umstand für den Preis ist der Sockel und die zentrale Säule aus schwedischem, kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK). Obwohl das Material an sich nicht besonders teuer ist, haut die Verarbeitung desselben mit speziellen Maschinen und Formwerkzeugen kostenmäßig doch so richtig rein. Ich bin kein Experte in Sachen CFK, doch als Gehäusematerial bietet es bekanntermaßen mehrere klare Vorteile. Es ist außergewöhnlich stark und steif, besonders in Relation zu seinem Gewicht, und obwohl ein niedriges Gewicht auf den ersten Blick nicht unbedingt sonderlich relevant zu sein scheint, so bedeutet es doch, dass weniger Energie im Gehäuse gespeichert und somit auch wieder abgegeben wird. 
Fast der gesamte Lautsprecher kommt im charakteristischen CFK-Web-Look mit glänzendem Klarlack daher, jedoch besitzen die Gehäuse Dekor-Elemente aus Metall. Alle vier Treiber sind von absoluter Topqualität und werden nach Vorgaben von SW Speakers bei den Norwegern von SEAS gefertigt. Die drei Konusse besitzen eine silberfarbene, gegossene Magnesiummembran, Körbe aus einer speziellen Legierung und spitz zulaufende Phase Plugs aus Kupfer. Massive Kupferringe an den Enden der Polschuhe sollen geringe Verzerrungswerte garantieren. Die 220-mm-Basseinheit hat eine Membran mit circa 155 mm Durchmesser und versteckt ihren auf 35 Hz abgestimmten Bassreflexausgang geschickt im Gehäuse. Der mit einem Neodym-Magneten versehene Hochtöner besitzt eine 25-mm-Sonotex-Gewebekalotte und ein Metallgehäuse. 
Die Frequenzweiche wurde bewusst so einfach wie für ein Vier- Wege-Design eben möglich ausgelegt, greift aber absolute Topkomponenten zurück (zum Beispiel Silberkondensatoren des Dänischen Herstellers Jantzen) und leitet das Signal über schwedische Kabel von Jorma Design an die Treiber weiter. Nachdem wir die Magic Flutes ohne Probleme zu zweit in meinen Hörraum verfrachtet hatten, konnte das Musikhören endlich beginnen. Das Setup bestand aus meinem normalen System, einem Naim NAC552 Vorverstärker und dem NAP500 Endverstärker. Im weiteren Verlauf habe ich auch mit Single- Ended (PX-4) Röhren-Monoblöcken gehört. Als Quellen kamen ein Naim CDS3/555PS und ein Rega Isis CD-Player, ein Magnum Dynalab MD106T FM-Tuner und ein Linn-Plattenspieler mit Rega Tonarm und einem Soundsmith Strain Gauge Tonabnehmer zum Einsatz. Kabel und Racks waren von Naim, Phonosophie, The Chord Company und Vertex AQ. 
Der unmittelbare erste Eindruck war sehr positiv, da die Lautsprecher absolut frei von Gehäuseeinflüssen aufspielten. Der Gesamteindruck ist sehr offen und transparent, die Musik füllte den Raum zwischen und um die Lautsprecher herum, während selbige akustisch zu verschwinden schienen. Das können andere Lautsprecher zwar auch, aber keiner, den ich kenne, schafft es so effektiv. Dieses „sich akustisch in Luft auflösen“ ermöglichte es mir auch maßgeblich, wochenlang glücklich und zufrieden meinen Hörraum mit den Magic Flutes zu teilen. 
Nein, die perfekten Lautsprecher sind auch sie wie gesagt nicht, aber sie machen ziemlich viele Dinge sehr richtig. Die tonale Balance ist insgesamt sehr gut, wenn sie auch mit einer Besonderheit aufwartet: Für meinen Geschmack ist der obere Frequenzbereich minimal zu betont, auch wenn das aufgrund des sehr klar und seidig spielenden Hochtöners niemals nervig oder gar zum Problem wurde. Ein Grund für diesen Eindruck scheint es mir zu sein, dass der gesamte Mitteltonbereich etwas zurückgenommen zu sein scheint, insbesondere der Präsenzbereich. So wirkt die Magic Flute nie aufdringlich, sondern klingt immer ausgeglichen und sanft. 
Der Bassbereich dehnt sich tief nach unten aus und hat einen vollen Charakter, dem höchstens das letzte Quäntchen an zupackender Autorität fehlt. Er ist schnell und präzise, jedoch ohne der Musik die für einige große Lautsprecher typische, sich aus einem ultratiefen Bassbereich entwickelnde treibende Initiative mitzugeben. Ultra-Tiefbass ist nicht die offensichtlichste Stärke der Magic Flutes, doch der wunderschön feinfühlige und offene Mittelton ist es fürwahr. Die beiden letztgenannten Qualitäten helfen dabei, eine erstklassige Raumabbildung sicherzustellen. Obwohl die breite Abstrahlcharakteristik unvermeidlich zu einem relativ hohen Anteil indirekten Schalls aufgrund der Raumreflektionen führt, ist der Fokus sehr gut, und die Tiefenstaffelung gelingt mit entsprechendem Quellmaterial sehr beeindruckend. Interessant: Ich habe den Großteil meiner Höreindrücke mit den kräftigen Transistorendstufen von Naim gesammelt, ließ es mir aber nicht nehmen, auch die Prototypen zweier mit nur 3,5 Watt pro Kanal nominell sehr schwachen, auf einer einzigen PX-4- Röhre basierenden Single-Ended-Röhren-Monos mit den Magic Flute zu verbinden. Natürlich war so die maximale Lautstärke limitiert, jedoch gefiel mit diese Kombination qualitativ ebenfalls sehr, sehr gut. 

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Fazit

Die Wochen, die ich mit den Magic Flutes verbracht habe, waren eine ausnahmslos erfreuliche Erfahrung. Obwohl sie in Sachen Bass-Definition oder dynamischer Ausdrucksfähigkeit keine neuen Standards setzen, garantieren die erstklassige Abbildung, die herrliche Offenheit und das absolute Fehlen jeglicher tonaler Verfärbungen durch das Gehäuse ein allzeit entspannendes und musikalisch erfüllendes Hörerlebnis. Man könnte sich nun daran stoßen, dass der Preis ein ziemlich hoher ist, jedoch besteht kein Zweifel daran, dass die CFK-Konstruktion der Gondeln einen maßgeblichen Anteil daran hat, dass die Magic Flutes diesen hohen Standard in der akustischen Performance erreichen – ganz abgesehen davon, dass sie das Design unbestreitbar einzigartig macht.

Preis: um 60000 Euro

SW Speakers Magic Flute

Referenzklasse


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