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Kategorie: Plattenspieler
20.10.2015

Einzeltest: Sperling Audio M-2

Ein dickes Ding

Plattenspieler Sperling Audio M-2 im Test, Bild 1
6525

Entschuldigung, wer Plattenteller in diesen Dimensionen baut, der muss sich solche Überschriften gefallen lassen. Wobei der Sperling M-2 weit davon entfernt ist, nur mit Masse punkten zu wollen

Mitspieler


Tonabnehmer:

 Lyra Atlas
 MFSL C3.
Plattenspieler Sperling Audio M-2 im Test, Bild 2Plattenspieler Sperling Audio M-2 im Test, Bild 3Plattenspieler Sperling Audio M-2 im Test, Bild 4Plattenspieler Sperling Audio M-2 im Test, Bild 5Plattenspieler Sperling Audio M-2 im Test, Bild 6Plattenspieler Sperling Audio M-2 im Test, Bild 7Plattenspieler Sperling Audio M-2 im Test, Bild 8Plattenspieler Sperling Audio M-2 im Test, Bild 9Plattenspieler Sperling Audio M-2 im Test, Bild 10
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Tonarme:

 Reed 3p
 SME 3500

Phonovorstufen:

 Gruensch MCS II
 Audionet PAM G2/EPC

Vorstufen:

 MalValve preamp four line

Endverstärker:

 Accustic Arts Amp2 MK2

Lautsprecher:

 Audio Physic Avantera
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Zubehör:

 Netzsynthesizer PS Audio P10
 NF-Kabel von van den Hul und Transparent
 Phonokabel van den Hul
 Lautsprecherkabel von Transparent
 Plattenwaschmaschine von Clearaudio

Gegenspieler


Plattenspieler:

 Transrotor Fat Bob
 TechDas Airforce OneAn die Diskussion vor ein paar Jahren kann ich mich gut erinnern. Sie fand zumindest zum Teil öffentlich in den Tiefen des Internets statt und drehte sich darum, endlich eine hochwertige Alternative zu den gängigen Antrieben für Masselaufwerke zu finden. Damals bestand die Motorenwelt aus dem von Scheu populär gemachten RFT-Gleichstrommotor mit eingebauter Regelung, einem Synchronantrieb à la Transrotor und diversen Inkarnationen eines ebenfalls intern geregelten Papst-Industriemotors. Zwei Jungs aus dem Norden Westfalens hatten in dieser Hinsicht offensichtlich schon viel probiert und an diverse Laufwerke „angeleint“, waren jedoch nie so richtig zufrieden. Was folgte, war die Entwicklung einer Motordose, die in Insiderkreisen bald einen exzellenten Ruf genoss. Die beiden Herren hinter jenem Antrieb waren Ansgar Sperling und Michael Bönninghoff, und eben diese sind auch die Entwickler des gewaltigen Laufwerks Sperling Audio M-2, das hier unverrückbar zur Debatte steht. Beide sind von Hause aus Ingenieure, beide sind seit vielen Jahren in der Audiotechnik verwurzelt und haben zum Beispiel eine ganze Reihe von Aufnahmestudios gebaut. Michael Bönninghoff war zudem lange Jahre Chefentwickler bei einer renommierten Manufaktur für hochwertige Mikrofone. Exzellent geschulte Ohren haben also beide, das technische Rüstzeug sollte zudem vorhanden sein. Selbstverständlich ist der M-2 mit einer Antriebseinheit ausgestattet, die auf der ursprünglichen Sperling-Motordose basiert. Wie die simple Physis des Gerätes schon suggeriert: Das hier ist kein Einsteigerlaufwerk. Wer mit diesem Superlativ spielen will, der muss 22.000 Euro auf den Tisch legen und hat dann noch keinen Tonarm und kein Tonabnehmersystem. Wer dieses Problem konsequent angeht, der landet wie wir ganz schnell bei 40.000 Euro – wir haben uns von Sperling eine Basis für den fantastischen Reed 3p anfertigen lassen und das überirdische Lyra Atlas montiert und landen ziemlich genau dort. Wen das nicht anficht, der wird auch keine Probleme haben, dem Boliden einen entsprechenden Unterbau zu finanzieren, denn mal eben aufs Ikea-Tischchen ist hier nicht: Eine entsprechend belastbare Stellfläche mit einer Breite von 65 und einer Tiefe von 60 Zentimetern sind wünschenswert. Darauf gilt es einen bumerangförmigen Laufwerksgrundkörper zu positionieren, der auf drei ziemlich imposanten konischen Füßen ruht: vorn unter dem Tellerlager ein besonders großes Exemplar, hinten unter den Auslegern zwei etwas kleinere. Alle drei sind mal nicht mit messerscharfen Spitzen bestückt, sondern enden zylinderförmig: Exakt dazu passende Unterstellteller gehören zum Lieferumfang. Natürlich sind die Füße per Gewinde extrem feinfühlig in der Höhe verstellbar. Das tragende Element des Laufwerks ist eine Platte aus 15 Millimeter starkem Aluminium. Sie bildet einerseits die Basis für den rekordverdächtigen Zapfen des invertierten Lages und trägt andererseits die beiden Tonarmbasen. Die Basen sind insgesamt neun Zentimeter hoch aufbauende Sandwiches aus zwei Lagen drei Zentimeter starken Massivholzes und zwei Lagen Aluminium, wiederum 15 Millimeter stark. Hinter dem Teller, zwischen den beiden Schenkeln der Basis steht der Antrieb, der in einem strukturell den Armauslegern ähnlichen Sandwichgehäuse untergebracht ist. Das optisch zweifellos dominierende Element dieses Laufwerks jedoch ist der Plattenteller. Wobei „Teller“ die Sache bei dem zwölf Zentimeter dicken Zylinder kaum trifft. So überschlägig dürfte das aus einer gut dämpfenden Alu-Legierung gefertigte Teil rund 25 Kilo wiegen. Und natürlich geht man für einen solchen Werkstoff nicht mal eben zum Alu-Dealer um die Ecke, das Material wird extra für Sperling gegossen – man kauft eine komplette Schmelze. Wenn man’s als Hersteller ernst meint, dann muss man solch bittere Pillen notgedrungen schlucken. Das allerdings war’s nicht mit dem Teller. Seine Oberseite nämlich zieren acht „Tortenstücke“, bei unserem Testgerät sind die aus Holz. Sie sitzen in Taschen, die eine Fräsmaschine in die Telleroberfläche einarbeitet, und werden verschraubt. Es gibt diese Inlays in einer ganzen Reihe von Materialien, und jedes klingt anders. Gleiches gilt auch für die Holzeinlagen in den Tonarmbasen, auch mit ihnen ist das Laufwerk an individuelle Klangvorstellungen anpassbar. Sperling bietet zwar zum Beispiel auch Acryleinlagen an, empfiehlt in fast allen Fällen jedoch verschiedene Hölzer. In diesem ganz besonderen Teller steckt eine wahrlich imposante Lagerhülse. Sie besteht aus bester Lagerbronze und besitzt mit fünf Zentimetern einen rekordverdächtigen Durchmesser. Das entsprechende Gegenstück besteht aus hartem Stahl und trägt an seiner Oberseite eine mit rund einem Zentimeter Durchmesser sehr große Lagerkugel. Sie läuft gegen einen austauschbaren Hartmetallspiegel oben in der Lagerhülse. Mit der Kugel hatten die Konstrukteure so ihre liebe Not: Die gewaltigen Kräfte des schweren Tellers brachten dem Vernehmen nach sogar eine Rubinkugel zum Bersten; nur mit Siliziumnitrid, der härtesten aller Industriekeramiken, war das Problem in den Griff zu bekommen. Die Kugel sitzt in einer Vertiefung auf der Achse, ein kleiner Rand bildet ein kleines Ölreservoir. Ein solches gibt’s auch unten am Fuß der Achse, die Füllmenge ist den Dimensionen des Lagers entsprechend deutlich größer als bei üblichen Plattenspielern. Das Lager ist übrigens keines, das extrem leicht läuft. Eine gewisse Hemmung ist durchaus erwünscht und verhindert, dass der Teller vom Antrieb abwechselnd beschleunigt und gebremst werden muss: Hier braucht’s garantiert nur ein wenig Zug. Bei der Frage, ob die großen reibenden Oberflächen dieses Lagers doch relativ viel unerwünschte Geräusche produzieren würden, winken die Konstrukteure ab: Die Drehzahlen und damit die Geschwindigkeiten der reibenden Flächen sind hier so klein, dass in dieser Hinsicht keinerlei Gefahr bestehe. Stellt sich die Frage, wie man ein solches Monstrum von Teller standesgemäß auf Trab hält: Mit einem Schweizer Präzisions- Gleichstrommotor. Der alleine allerdings macht’s beileibe noch nicht. Sperling und Bönninghoff nahmen eine ganze Reihe von Details ins Visier und stellten zum Beispiel fest, dass das Verschrauben des Pulleys auf der Motorwelle eine ganz und gar ungeeignete Möglichkeit ist, um einen präzise laufenden Antrieb zu bauen. So befestigt, sei ein mangelhafter Rundlauf garantiert. Bei Sperling wird die Riemenscheibe auf die Achse aufgeschrumpft, was sich in der Theorie übrigens deutlich leichter anhört, als es in der Praxis ist. Ein präzise laufender Gleichstrommotor ist eine feine Sache, seine Drehzahlstabilität jedoch ist so eine Sache. Die Hemmung des Lagers und der Zug des Abtastprozesses würden die Gleichlaufwerte ruinieren. Die Lösung ist – nein, mal keine Regelung der Tellerdrehzahl, wie derzeit zum Beispiel bei den größeren Clearaudio-Modellen eingesetzt, sondern eine trickreiche Steuerung des Motors. Das geht in etwa so: Wenn der Motor durch eine erhöhte Last mehr Strom verlangt, dann wird dem durch Erhöhen der Speisespannung Genüge getan. Hört sich simpel an, ist es jedoch mitnichten: Bis die Parameter stimmen, ist viel Entwicklungsaufwand nötig. Als Koppelelement zwischen Teller und Motor kommt, den Trick sieht man öfter, transparentes Vorspannband aus dem Tonbandbereich zum Einsatz. Es wird mit entsprechendem Klebeband zu einem Ring verklebt und bildet einen sehr steifen Antriebsriemen, der für eine sehr starre Kopplung zwischen Teller und Motor sorgt. Ganz wichtig hierbei ist die Einstellung der korrekten Spannung: Dafür ersonnen die Konstrukteure eine Möglichkeit, den Motor sehr feinfühlig in seiner Behausung zu verschieben. Abgesehen von klanglichen Aspekten gibt’s auch praktische Dinge, die eine genaue Justage dieses Parameters erfordern. Ist zu wenig Spannung da, rutscht der Riemen auf dem Motorpulley durch; dadurch verschleißt er schnell und außerdem ist die Drehzahl beim Teufel. Bei zu viel Spannung macht der Antrieb unschöne Geräusche, wenn die Klebestelle übers Pulley läuft, außerdem läuft das Band dann aus der Mitte und schleift an einem Rand der Riemenscheibe – auch das macht’s nicht lange mit. Ich jedenfalls hatte das erste mitgelieferte Tape recht schnell aufgearbeitet, das zweite tut’s jetzt allerdings schon eine ganze Weile. Etwas mühsam ist die Angelegenheit allerdings; zudem sorgt jede Veränderung der Riemenspannung für eine Veränderung der Tellerdrehzahl, die man manuell kompensieren muss. Das allerdings geht mit den großzügig untersetzten Drehpotis am Speiseteil sehr feinfühlig. Eine weitere Besonderheit beim Sperling sind die Armbasen. Eine trickreiche Konstruktion aus zwei gegeneinander verdrehbaren runden Aluminiumscheiben sorgt für eine weitgehend freie Positionierbarkeit des Montagepunktes; durch die außen angebrachten Skalierungen lässt sich zudem eine einmal gefundene Einstellung jederzeit exakt reproduzieren. Hinzu gesellt sich ein entweder außen oder innen zu montierendes sichelförmiges Element; es bestimmt, ob an den entsprechenden Einbauplatz ein langer oder kurzer Arm kommt. Das ist in der Praxis supersimpel zu bedienen und funktioniert ausgezeichnet; eine Vielzahl von Verschraubungen sorgt nach der Justage dafür, dass der Arm bombenfest sitzt. Im praktischen Umgang mit dem Sperling gibt’s ein paar Kleinigkeiten, die ich für erwähnenswert halte: Der schwere Teller hat seine Tücken. Um ihn auf Touren zu bringen, quält sich der Motor hörbar. Ich empfehle unbedingt das Anschieben per Hand. Aus diesem Grund scheint es auch ratsam, die Platte bei laufendem Teller zu wechseln. Was hierbei ein bisschen stört, ist der Umstand, dass sich die Tellerachse am oberen Durchmesserlimit bewegt – viele Platten wollen nur widerwillig auf den Mitteldorn. Der Motor ist zudem relativ laut und sollte auf keiner großen schwingfähigen Unterlage stehen. In Anbetracht des klanglichen Potenzials dieser Maschine jedoch ist das alles komplett unwichtig. Bereits die ersten Takte aus M-2, 3p und Atlas machen klar, dass sich der reichliche Gebrauch von Superlativen in den nächsten Äußerungen kaum vermeiden lassen wird. Auf dem Teller liegt die großartige Clarity-Vinyl-Ausgabe von Bill Hendersons „Live at the Times“. Die mit 45 Umdrehungen geschnittene B-Seite auf dieser Maxisingle ist die absolut pure Magie. Das hat unglaublich Kraft, zeichnet Hendersons Vibrato wunderschön und präzise, offenbart jedes Hintergrundgeräusch und ist so unfassbar ruhig, wie ich Plattenwiedergabe kaum jemals erlebt habe. Das ist so ungeheuer gut, das treibt einem spontan die Tränen in die Augen. Inbrunst, Emotionalität – das macht dieses Gespann wie kein anderes. Auch Tom Jones‘ wunderschönes „What Good Am I“ wird hier zur totalen Gänsehautnummer – oder legen Sie mal Dead Can Dance auf: Hier mutiert Lisa Gerard endgültig zum Engel, hier jagen einem die fragilen Klanggebilde auf „Toward the Within“ einen Schauer nach dem anderen den Rücken herunter. Und kommen Sie mir bitte nicht mit Standardtugenden: Natürlich geht das Ding breitbandig wie nur was, kann dynamisch von ganz klein bis ganz groß alles, was bei einer derart fesselnden Gesamtperformance jedoch schlicht und ergreifend völlig egal ist.

Fazit

Zweifellos einer der besten Plattenspieler am Markt. Der Sperling weiß seine gewaltige Masse perfekt leichtfüßig, spannend und hochemotional einzusetzen – großartig.

Preis: um 22000 Euro

Plattenspieler

Sperling Audio M-2


09/2012 - Holger Barske

Ausstattung

 
Vertrieb Medientechnik Sperling, Welver 
Telefon 02921 3509390 
Internet www.motordose.de 
Garantie (in Jahre)
B x H x T (in mm) 650/250/600 
Gewicht (in Kg) 50 

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