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Kategorie: Phono Vorstufen
20.10.2015

Einzeltest: Audio Research PH9

Ich hab sie nicht alle

Phono Vorstufen Audio Research PH9 im Test, Bild 1
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Getestet, meine ich. Audio-Research-Phonovorstufen in den letzen Jahren.

Phono Vorstufen Audio Research PH9 im Test, Bild 2Phono Vorstufen Audio Research PH9 im Test, Bild 3Phono Vorstufen Audio Research PH9 im Test, Bild 4Phono Vorstufen Audio Research PH9 im Test, Bild 5Phono Vorstufen Audio Research PH9 im Test, Bild 6Phono Vorstufen Audio Research PH9 im Test, Bild 7
Was ich selbst erst recherchieren musste, weil‘s nicht eben wenige waren. Aber in diesen Gefilden hier, da tut sich tatsächlich eine Lücke aufSie heißt PH 9 und ist die Nachfolgerin der – richtig – PH8. Für welche wiederum die PH 7 aus dem Programm weichen musste. Letztere hatte ich anno 2008 und das war, wenn ich mich recht erinnere, meine erste AR-Phonovorstufe. Die PH8 ist mir entgangen. Sprich: Die sackteuren Reference-Maschinen, die vorzustellen hab ich mir nicht nehmen lassen, auch die zumindest zu Beginn erfreulich preiswürdigen Modelle PH5 und PH6 fanden ihre Würdigung an dieser Stelle, aber das zwischen Restvernunft und Wahnsinn, das ist uns seit Jahren entgangen. Bis jetzt. Ob Sie einen Verkaufspreis von 9.000 Euro für eine Röhrenphonovorstufe in die Nähe des ersten oder zweiten Attributes rücken wollen, überlasse ich Ihnen, ich persönlich habe die Hoffnung, dass die PH 9 die immer wieder schmerzhaften und (Wink mit den Zaunpfahl in Richtung Deutschlandvertrieb) viel zu schnellen Abgänge der Großkaliber aus Plymouth, Minneapolis wenigstens ein paar Wochen lang vergessen lässt. Als Fan der Marke hat man selbstredend eine klare Vorstellung davon, wie die Objekte der Begierde auszusehen haben: Das klassische Laborgeräte-Design ist Pflicht, es gehören Griffe ans 19 Zoll breite Gehäuse, alle Bedienelemente haben bitteschön gut zugänglich zu sein und sollten in ihrer Funktionalität eindeutig sein. Das war alles überhaupt kein Problem, bis Audio Research an die „Fine Sounds Group“ fiel (die mittlerweile bekanntermaßen „World of McIntosh“ heißt, was Audio-Researchaffine Menschen kaum besonders originell finden dürften) und ein maßbeanzugter Vorzeigeitaliener das Design in die Hände nahm und die mir bis heute suspekte „Galileo“-Baureihe schuf. Zum Glück blieb die Gestaltung des restlichen Geräteprogramms halbwegs unbeschädigt und auch der PH9 geht in eine Richtung, mit der ich optisch leben kann. Hauptsache, es sind Griffe daran und alles Relevante leuchtet grün. Passt schon. Gut, die Frontplatte. Die hat jetzt so eine pseudo-stylishe umlaufende Fase, damit sie nicht so nach dicker Frontplatte aussieht. Hätte sie für mich ruhig gedurft. Und der strukturellen Integrität des im Wesentlichen aus Löchern bestehenden Gehäusedeckels traue ich auch nicht besonders weit. Aber prima Belüftung fürs Geräteinnere bereitstellen, das sollte damit klappen. Auf der Gerätrerückseite gibt‘s ein Paar Cinch-Eingangsbuchsen und ein entsprechendes Paar Ausgänge. Und eine Kaltgerätebuchse für den Stromanschluss; die dicken Hochstrom-Verbinder reserviert Audio Research für die Reference-Serie. Und eine schön stabile Erdungsklemme. Das Bedienkonzept der PH9 orientiert sich an dem, was Audio Research auch bei anderen Geräten tun: Es gibt ein zentrales Display zum Weiterreichen der relevanten Informationen, eine Reihe Taster darunter übernimmt die Anwahl der entsprechenden Funktionen. Davon gibt‘s die üblichen: Mono-/Stereo-Umschaltung, Muting, Inbetriebnahme und drei Taster für weiterführende Menüfunktionen. Jene wären der automatische Shutdown, mit dessen Hilfe sich das Gerät nach einer zwischen einer und acht Stunden wählbaren Zeitspanne abschaltet – oder auch nicht, es gibt auch eine „Off“-Position, die zumindest in der Einspielphase hilfreich ist. Hinzu gesellt sich die Umschaltung zwischen fünf möglichen Tonabnehmer-Abschlussimpedanzen (100, 200, 500, 1000 Ohm und 47 Kilooohm), die Anzeige der Röhrenbetriebsstunden (rückstellbar) und die Einstellung der Display-Helligkeit in sieben Stufen. Wer eine Möglichkeit zur Anwahl verschiedener Verstärkungen sucht, tut das ebenso vergeblich wie derjenige, der verschiedene Abschlusskapazitäten für MM-Abtaster braucht. Das ist nicht unüblich bei Audio-Research-Phonovorstufen; es gibt eine einzige Verstärkung von knapp 56 Dezibel und die ist für MMs wie MCs leidlich geeignet, für MCs jedoch eindeutig besser: Ohnehin gibt kein Mensch 9.000 Euro für eine Phonovorstufe aus und hängt dann etwas anderes als ein ambitioniertes MC daran. Das ist mit den 56 Dezibel bestens bedient und interessiert sich auch nicht für Abschlusskapazitäten. Bedienen geht übrigens auch vom Sofa aus, mit einem funktionellen Metall-Infrarotgeber. Das hat außerdem den Vorteil, dass man die Abschlussimpedanzen direkt mit einem Tastendruck wechseln kann, was den Klangvergleich der verschiedenen Werte enorm erleichtert: Bis man sich vom Sofa erhoben und sich an der Gerätefront durchs Menü gehangelt hat, ist der Klangeindruck schon wieder verwischt. Im Geräteinneren präsentiert sich eine weitere Iteration der Konzepte, mit denen Audio Research seit Jahren erfolgreich Phonovorstufen baut. Die Versorgung übernimmt ein üppiger R-Core-Transformator, für die mit schnellen Dioden gleichgerichtete Hochspannung gibt‘s eine ordentliche Batterie Siebelkos mit von der Platinenunterseite parallel dazu montierten Folienkondensatoren. Danach folgt die schon aus den noch größeren Modellen bekannte Röhrenregelung für die Hochspannung: Eine dicke Leistungspentode vom Typ 6550 übernimmt den Leistungsteil, eine 6H30P mit einem Helferlein aus der Halbleiterzunft steht unterstützend zur Seite. Die 6550 passt nur bei den größeren und höher bauenden Modellen mit auf die Platine hier verrichtet sie ihren Dienst liegend an der Rückwand. Neben diversen weiteren Regel- und Stabilisierungsschaltungen gibt‘s dann noch den nicht ganz unwesentlichen eigentlichen Verstärkerpart, der diesmal mit drei Stück 6H30P arbeitet. Ich traue mich zu vermuten, dass beide Kanäle die erste Röhre teilen, danach folgt die Entzerrung, schließlich zwei parallele Systeme je einer 6H30P als Ausgangstreiber. Wie üblich, verlässt man sich für die winzigen Signale nicht ausschließlich auf Glaskolben, der Röhrentechnik vorgeschaltet ist eine Eingangsverstärkerstufe, die mit JFETs aufgebaut ist. Davor gibt‘s noch fünf Relais, die das Umschalten der Widerstände übernehmen. Die große Revolution in Sachen Schaltungstechnik ist also ausgeblieben, man verlässt sich bei der PH9 auf Bewährtes in leicht veränderter Kombination. In Anbetracht des erwiesenen Potenzials der Anordnung wäre alles andere auch ziemlich unklug gewesen. Bei Betriebsstundenzählerstand 318 durfte die PH9 dann endlich ihren Job antreten und den macht sie wenig überraschenderweise schlicht hervorragend. Und ja, bei aller Begeisterung für die herausragende Über-alles-Qualität der Audible Illusions Modulus 3B lässt sich nicht leugnen, dass es ein Leben jenseits von John Curls Vier-Transistor-Phonolösung gibt. Die Audio Research spielt einfach unnachahmlich, sie hat einfach dieses Timbre, diese Portion Extra-Substanz und Schmelz, die es andernorts in dieser Kombination einfach nicht gibt. Schlagzeuger Joey Baron braucht auf dem „Up and Coming“ des John-Abercrombie-Quartetts ungefähr einen einzigen Beckenschlag, um mich davon zu überzeugen, dass alles gut ist. Die leise Stimme in mir, die mich immer mal wieder dazu überreden will, die uralten Alumembranen meiner Hochtontreiber vielleicht doch mal gegen etwas Neues zu tauschen, ist weg. Schlagartig. Es funkelt und strahlt prächtig oben herum – alles perfekt. Die PH9 schafft dieses erstaunliche Kunststück, Dynamik extrem überzeugend darzustellen und immer etwas aufregender zu klingen als alle anderen. Ob die PH9 das nun einen Deut schlechter macht als die Reference Phono 3 oder gar die gewaltige Reference 10, kann ich Ihnen ohne direkten Vergleich (Wink mit dem Zaunpfahl, zum Zweiten) kaum sagen, der Tenor ist jedenfalls gleichermaßen einmalig.
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Fazit

Sie können‘s einfach, die Jungs und Mädels aus Minnesota. Die Ph9 trifft genau das einmalig schöne Audio-Research-Timbre, spielt groß, offen und macht Vinylwiedergabe zu einem ganz besonderen Erlebnis

Preis: um 9 Euro

Phono Vorstufen

Audio Research PH9


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Ausstattung

 
Vertrieb Audio Reference, Hamburg 
Telefon 040 53320359 
Internet www.audio-reference.de 
Garantie (in Jahren) 2 Jahre 
B x H x T (in mm) 480/137/348 
Gewicht ca. 7 kg 
Unterm Strich... Sie können‘s einfach, die Jungs und Mädels aus Minnesota. Die Ph9 trifft genau das einmalig schöne Audio-Research-Timbre, spielt groß, offen und macht Vinylwiedergabe zu einem ganz besonderen Erlebnis 

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