Einzeltest: Horns Aria C
Hornlautsprecher mal anders

Es reicht als Lautsprecherhersteller nicht, einfach nur gute Schallwandler zu produzieren. Ein erfolgreiches Produkt braucht ein unverwechselbares Gesicht. Das haben die Modelle aus Lublin zweifellos
Moment, Moment. Ganz langsam. Da mĂŒssen wir unterscheiden. âhORNSâ ist nĂ€mlich nur eine Marke des talentierten Konstrukteurs Lukasz Lewandowski. Die andere heiĂt â5degreesâ und war auch schon hier zu Gast â dort gibtâs Standboxen, die sich um eine bestimmt Neigung der Front auszeichnen. Um fĂŒnf Grad, richtig â woher wussten Sie das? Unter dem Label âhORNSâ hingegen fertigt Lewandowski hingegen Schallwandler, die sich alle (vom Subwoofer mal abgesehen) durch den Einsatz mindestens eines âTrichtersâ auszeichnen. Bei der ziemlich aufsehenerregenden und ausladenden âUniversumâ gesellt sich zum obligatorischen Hochtonhorn auch noch einer fĂŒr den Tiefmitteltonbereich, bei allen anderen Modellen beschrĂ€nkt sich der Einsatz eines Horns auf das obere Ende des Frequenzbereiches.
Was bei den anderen Modellen der Aria-Baureihe noch als nicht weiter ungewöhnlich durchgeht, ist beim brandneuen Kompaktmodell âAria Câ schon eine echte Ausnahme: In der niedlichen kleinen Box gesellt sich zum Hornhochtöner nĂ€mlich ein lediglich 13 Zentimeter durchmessender Tiefmitteltöner.
Ăberhaupt, die GehĂ€use der pro Paar 2000 Euro teuren Lautsprecher: Die können sich sehen lassen. Der Hersteller bricht mit dem schnöden Quader nĂ€mlich noch an anderer Stelle und spendiert vier Kanten groĂzĂŒgige Rundungen. Was fĂŒr zusĂ€tzliche GefĂ€lligkeit sorgt. MaterialstĂ€rke fĂŒr der lei Luxus ist genĂŒgend vorhanden, die WĂ€nde sind nĂ€mlich solide zwei Zentimeter dick â das ist eine Menge fĂŒr eine Box in dieser GröĂenklasse. A propos GröĂe: Mit gut zehn Litern Nettovolumen landet die Aria C mitten im dem Bereich, den man gemeinhin âKompaktboxenâ nennt.
Was bei der Aria C ebenso gilt wie fĂŒr alle anderen hORNS-Modelle: Der Hersteller hat ein feines HĂ€ndchen fĂŒr ausgezeichnete LackoberflĂ€chen. Unser TestpĂ€rchen macht da keine Ausnahme: Dass wir es nicht einfach nur mit Schwarz-Metallic zu tun haben sieht man nur dann, wenn das Licht richtig auf dem Korpus steht. Dann nĂ€mlich kommt ein sehr edler tief dunkelroter Metallic-Ton zum Vorschein, wir dĂŒrfen davon ausgehen, dass dieses Finish der Palette eines Automobilherstellers entstammt. Der Trichter und die beiden Bassreflexrohre kontrastieren in pragmatischem matten Grau sehr schön dazu â eine sehr gelungene Farbvariante. Die Bassreflexkonstruktion ist ĂŒbrigens interessant: Weilâs auf der Front einfach nicht genug Platz fĂŒr ein ordentlich dimensioniertes Rohr gab, verteilte Lewandowski den erforderlichen Querschnitt einfach auf zwei kleine Rohre, die so gerade noch in den unteren Ecken der Schallwand Platz fanden. Die fein nach auĂen hin gerundeten Exemplare sind sogar nach innen mit einem dunklen Gewebe verschlossen â fĂŒr die pulsierende Luft stellt das kein Hindernis dar, fĂŒr Staub und und neugierige Blicke hingegen schon.Eines der vielen kleinen Details, die an dieser Box zu gefallen wissen.
Der Tiefmitteltöner stammt aus deutschen Landen, vom im Rheinland beheimateten Hersteller Visaton. Der Dreizehner ist sicherlich keine hochmoderne High- Tech-Konstruktion, dafĂŒr aber ein seit Jahrzehnten in mustergĂŒltig gleichbleibender QualitĂ€t gefertigter Klassiker. Falls Sie vermuten, dass der unscheinbare Treiber mit gepresstem Stahlblechkorb und beschichteter Papiermembran einer ist, mit dem wir auch bei unserem Lautsprecherselbstbaumagazin âKlang + Tonâ öfter zu tun haben, dann tun Sie das zurecht. Und das aus gutem Grund, wir sind erklĂ€rte Fans dieses Treibers. hORNS reklamiert fĂŒr sich, eine modifi zierte Version des Chassis einzusetzen, das nehmen wir mal mit einem leicht leichten Schmunzeln zur Kenntnis. FĂŒr die Wiedergabe des Hochtonbereiches setzt der Hersteller auf einen ausgewachsenen Druckkammertreiber, der ĂŒber besagten Trichter abstrahlt. Einer weiteren Untersuchung entzieht sich der Hochtöner, weil er nicht ganz einfach aus dem GehĂ€use zu bekommen ist â wir werdenâs ĂŒberstehen. Zwei auch in Sachen Wirkungsgrad so unterschiedliche Treiberkonzepte miteinander zu kombinieren stellt eine interessante Herausforderung dar â schon deshalb, weil der Hochtöner locker 25 Dezibel lauter sein dĂŒrfte als der Tiefmitteltöner. Die MĂŒhe könnte es allerdings wert sein: Wer dem enormen Detailreichtum und der MĂŒhelosigkeit eines solchen Hochtöners einmal erlegen ist, fĂŒr den gibtâs kaum einen Weg zurĂŒck. In der Aria C ĂŒbernimmt die Aufteilung des Signals auf die zwei Frequenzbereiche eine erstaunlich schlichte Weiche mit nur vier Bauteilen, alle Komponenten stammen vom deutschen Spezialisten Mundorf. Den Signaltransport in der Box besorgen zwei unterschiedliche Sorten Leitung, beim Anschlussfeld griff der Hersteller in die Vollen: Nextgen-Terminals von WBT ragen aus der RĂŒckseite des Lautsprechers heraus, eine qualitativ kompromisslose und in dieser Preisklasse erstaunliche Wahl.
Bevorâs daran geht, Strippen an die noblen EingĂ€nge zu stecken oder klemmen, muss man sich erst einmal Gedanken ĂŒber die Unterbringung der Aria C machen. Sie kann nĂ€mlich beides, sowohl Regal als auch StĂ€nder. In beiden FĂ€llen gilt es, die ordentliche GehĂ€usetiefe von rund 29 Zentimetern plus derer drei fĂŒr die Terminals zu berĂŒcksichtigen. Einen passenden StĂ€nder gibt es zumindest derzeit von hORNS nicht, aber da da bietet der Zubehörmarkt hinreichend Passendes.
Die Aria C ist ein zauberhafter Lautsprecher. Was Sie von ihr nicht erwarten dĂŒrfen ist uneingeschrĂ€nkte Partytauglichkeit und den Druck und die Livehaftigkeit, die man gemeinhin bei Konzepten mit Hornhochtönern erwartet. Sie spielt erfreulich gesittet und bewegt sich innerhalb ihrer von der Physik diktierten Möglichkeiten mit gröĂter SouverĂ€nitĂ€t. Die Bassabstimmung prĂ€feriert eindeutig den Oberbassbereich, der kommt dafĂŒr schön knackig und ĂŒberzeugend, ganz unten hĂ€lt sich der Lautsprecher schlicht fein zurĂŒck. Was der Box hörbar guttut ist ein stabiler Antrieb. Auch wenn âHornâ fast automatisch nach Röhre ruft â das wĂ€re hier nicht meine erste Wahl. So 30 bis 50 stabile Halbleiterwatt hat sie schon gerne, die Aria C.
Beginnen wir mit dem ĂŒberuas spannenden Zweipersonenexperiment âRoom 29â von Jarvis Cocker und Chilly Ginzales. Bei der extrem direkten und intimen Aufnahme ist die Aria C voll in ihrem Element. Die Klavieranschlage haben Kraft und Farbe, die Gesangsstimme Ausdruck und WĂ€rme, den Kontrast zwischen den beiden Protagonisten löst die kleine hORNS bestens auf. Hier wird schon klar, dass der Hochtöner es kann, dieses horntypische Ausluechten bis in den letzten Winkel einer Einspielung. Von VerfĂ€rbungen ist dabei so gut wie nichts zu vernehmen, die KlavieranschlĂ€ge tönen sauber und ausgewogen. Die explosive Dynamik, die mit dem Hochtonkonzept sicherlich möglich wĂ€re, steht hier etwas hinten an, und das ist gut so: Der kleine Tiefmitteltöner wĂ€re wohl etwas ĂŒberfordert, wenn der Druckkammertreiber könnte, wie er wollte. Bei Ryan Adamsâ brillantem Carnegie-Hall-Auftritt von 2015 ist die hORNS in ihrem Element: Eine emotional ĂŒberzeugende und griffi ge Gesangsstimme, eine Akustikgitarre mit Ausdruck und Tiefe â das macht sie ausgezeichnet, die Kleine. Sie vermittelt die die Dimensionen des altehrwĂŒrdigen GemĂ€uers ĂŒberzeugend, zeichnet den KĂŒnstler in korrekten Dimensionen â klasse.
Wenn Sie eine Kompaktbox mit dem gewissen Extra suchen, dann kann ich eine Begegnung mit der Aria C dringend empfehlen
Fazit
âHornâ heiĂt nicht automatisch âVollgasâ, wie diese ungewöhnliche und exzellent verarbeitete Kompaktbox beweist. Mit ihrer feinen und stimmigen Gangart empfiehlt sie sich auch fĂŒr anspruchsvolles Musikhören.Kategorie: Lautsprecher Stereo
Produkt: Horns Aria C
Preis: um 2000 Euro

Form follows function ist ja ein geflĂŒgeltes Wort fĂŒr Design um die technischen Notwendigkeiten herum. Dass man aber auch beide Aspekte gleichwertig behandeln und auf die Spitze treiben kann, zeigt uns die neue Serie 1528 von Arendal.
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Gewicht: | ca. 8,4 kg |
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