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Kategorie: Vollverstärker
20.10.2015

Einzeltest: Atoll IN-100

Reifeprozess

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Christian Rechenbach
Christian Rechenbach

Vollverstärker haben’s gut, denn die können bleiben, was sie sind, unabhängig von der Entwicklung auf dem digitalen Musiksektor. Doch es gibt welche, die im Laufe der Zeit dazulernen.

Lernprozesse können dauern, wenn man sie mit Gelassenheit und Durchdachtheit angeht. Hauptsache, am Ende stimmt das Ergebnis. So scheint man in Nordfrankreich in der Normandie zu denken. Dort wird gut gegessen, feiner Wein getrunken und überhaupt weiß man in der Gegend ganz genau, was Lebensqualität ist. Dazu gehört natürlich auch der Genuss von Musik, dem sich Atoll Electronique verschrieben hat. Außerdem scheint Stéphane Dubreuil, der technische Kopf der Firma, immer die Ruhe wegzuhaben. Anstatt immer sofort mit allen Trends mitzuziehen, konzentriert er sich lieber auf das konsequente Durchentwickeln eines Konzepts, das dann, wenn er es für ausgereift befindet, in seine feinen Audiogeräte Einzug erhalten darf. Somit ist der der IN100 ein über Jahre gereifter Verstärker aus Atolls SE-Serie, der im für das Unternehmen typischen schlichten, gefälligen Design ausgeliefert wird und außer Tastern für die Quellenwahl und einem zentral angeordneten, ordentlichen Aluknopf für die Lautstärkeregelung keine Interaktionen von außen zulässt. Wenn man den IN-100 aufschraubt sieht man auch schnell, warum diese doch recht kompakte Kiste so schwer ist. Die Stromversorgung baut auf zwei knüppeldicke Ringkerntrafos auf, die natürlich ihren Teil zum Gesamtgewicht beitragen und eine stabile Basis für den Strombedarf des Verstärkers darstellen. Sie versorgen schon kanalgetrennt den komplett in Doppelmono aufgebauten Verstärker, dessen Endstufe an einer Kühlkörperbank sitzt und der ansonsten einen sachlichen, sauber umgesetzten diskreten Aufbau vorweisen kann. Ein feines Alps-Poti stellt die Lautstärke ein, hochwertige Relais schützen den Verstärker für den Fall der unsachgemäßen Behandlung. Die Verstärkerstufe ist als MOSFET-Stufe ausgeführt, die mit einer sehr sanft ansetzenden Gegenkopplung auskommt. Das ist so ein bisschen Firmenphilosophie, denn natürlich kann man sich tolle Dämpfungsfaktoren und andere messtechnisch gut aussehenden Vorteile mit einer starken Gegenkopplung erkaufen, doch bewegt man sich immer auf dem Grat zwischen Papierform und natürlicher Dynamik. Ich glaube Stéphane Dubreuil jedenfalls, dass er über die Jahre das Ideal gefunden hat. Und deswegen misst sich so ein Atoll Amp „nur“ gut, das Messgerät namens Ohr entscheidet den Rest. Vier analoge Zuspieler vermag der IN-100 zu verwalten, einer davon hat außerdem noch die klassische Tape-Schleife zu bieten. Auch einen Direktanschluss hat Atoll reingebaut, der von der Lautstärkeregelung unbeeinflusst bleibt und sich somit für den Einsatz beispielsweise in einem Heimkinosystem eignet. Ich selbst brauche so etwas immer öfter, um beispielsweise DACs mit eingebauter Vorstufe sinnvoll anschließen zu können.
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Preis: um 700 Euro

Atoll IN-100


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