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Kategorie: Tonarme
20.10.2015

Einzeltest: Transrotor TRA 9

Der neue Tonarm von Transrotor

Tonarme Transrotor TRA 9 im Test, Bild 1
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Sehr oft muss man in Notsituationen improvisieren, um weiterzukommen. Und manchmal entsteht aus einer Notsituation heraus etwas gutes Neues, Innovatives.

Tonarme Transrotor TRA 9 im Test, Bild 2Tonarme Transrotor TRA 9 im Test, Bild 3Tonarme Transrotor TRA 9 im Test, Bild 4Tonarme Transrotor TRA 9 im Test, Bild 5Tonarme Transrotor TRA 9 im Test, Bild 6Tonarme Transrotor TRA 9 im Test, Bild 7Tonarme Transrotor TRA 9 im Test, Bild 8Tonarme Transrotor TRA 9 im Test, Bild 9
Wie der neue Transrotor-Tonarm TRA9Nun, natürlich ist es ein bisschen vermessen, beim gegebenen Kontext von einer echten Notsituation zu sprechen. Aber es ist schon wirklich einmaliges Pech oder Verkettung sehr unglücklicher Umstände, wie man will, wenn bei einem Hersteller von Plattenspieler-Laufwerken binnen Jahresfrist gleich beide Zulieferer von Tonarmen einfach Wegbrechen. So geschehen bei Transrotor in Bergisch Gladbach, die diese Koinzidenz für sich reklamieren können - vielleicht sogar nicht einmal als einziger Hersteller, aber sicher als prominentester. Die beiden Zulieferer sind Jelco und SME. Ersterer hat vor kurzer Zeit seine Tore für immer geschlossen, schlicht und ergreifend, weil die Verantwortlichen zu alt geworden sind und sich aus dem Geschäftsleben zurückgezogen haben. Dieser Schritt scheint wohl endgültig zu sein, denn die gewöhnlich gut informierten Gerüchteküchen vermelden, dass für eine Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs der komplette Maschinenpark des Unternehmens renoviert werden müsste. Wir können also davon ausgehen, dass selbst bei Auftauchen eines Investors das gewohnt günstige Preis- Leistungs-Verhältnis Jelcos der Vergangenheit angehören dürfte. Bei SME sieht die Angelegenheit etwas anders aus: Hier gibt es einen Investor. Allerdings hat dieser die Geschäftspolitik der Firma komplett auf links gedreht: Statt in der Hifi -Sektion weiterhin das Gewicht auf den hauptsächlichen Verkauf von Tonarmen zu legen, möchte man nun den Absatz der eigenen Plattenspieler ankurbeln, ganz einfach, indem es SME-Tonarme nur noch auf SME-Laufwerken zu kaufen gibt. Wie auch immer: Bei Transrotor musste man reagieren, die eigenen Vorräte waren nicht unendlich. In der Premium-Klasse habe ich schon vormontierte Reed-Arme gesehen - nicht die schlechteste Wahl. Aber letzten Endes hat man sich angesichts der kippenden SME-Situation in Bergisch Gladbach dazu entschieden, einen eigenen Tonarm zu fertigen und das gleich richtig. Rund zwei Jahre Entwicklungszeit stecken in der finalen Konstruktion. Manche unserer Leser werden sich erinnern, dass auf den Norddeutschen Hifi -Tagen 2020 einen Prototypen zu sehen gab, der dann noch einmal fast ein Jahr lang Feinschliff erhalten hat, bis man im Hause Räke mit dem Ergebnis zufrieden war. Und das kann man auch sein: Im Gegensatz zu den „Me Too“-Tonarmen so manches anderen Laufwerksproduzenten, die sich fast immer als schlichte Eintunkt- Arme manifestieren, ist der TRA 9 ein absolutes Highlight in Sachen Feinwerkmechanik. So manchen Ähnlichkeit zu den moderneren SME-Tonarmen lässt sich nicht von der Hand weisen, aber mir soll das recht sein: Auch bei den Briten habe ich die hohen Standards bei der Fertigungsqualität und den High-Tech-Ansatz immer zu schätzen gewusst. Konsequenterweise gibt es den TRA 9, was so viel bedeutet wie Transrotor-Arm in 9 Zoll Länge, auch mit deiner SME-kompatiblen Schlittenbasis, was wohl die schnellste Methode ist, ein vorhandenes Laufwerk mit dem neuen Arm auszustatten. Wo wir gerade bei der Montage und Schaft sind: Dieser wird in einer Nylonhülse geklemmt, um Spuren im Metall zu verhindern. Das Tonarmkabel hat den klassischen 5-Pol-Anschluss inmitten des Schafts. Arbeiten wir uns weiter nach oben: Eine On-the-fly-Höhenverstellung gibt es nicht, dafür kann der Arm mit Hilfe von zwei langen Rändelschrauben mit Feingewinde mit etwas Fingerspitzengefühl sehr präzise in der Höhe verstellt werden. Der Lagerblock selbst ist äußerst massiv - das passt auch gut zum Tonarm, der eher auf der schwereren Seite der mittelschweren Arme einsortiert ist. Während man sich beim Horizontallager mit einem normalen Kugellager mit Stahlkugeln zufrieden geben konnte, waren solche Typen beim Vertikallager nicht gut genug: Der nötige Kompromiss aus minimalem Spiel und geringste Losbrechmoment erforderte den Einsatz hochqualitativer Keramiklager. Und auch die Muttern, die diese Lager in ihrer Position sichern, entpuppten sich als Herausforderung: Keine der zugelieferten Muttern hatte ein so genau geschnittenes Gewinde, dass sie plan auf dem Lager auflag und einen rundum gleichmäßigen Anpressdruck hatte. Also musste man die vermeintlich einfachen Bauteile in selbst schneiden - das nenne ich mal Fertigungstiefe! Das Armrohr ist zweiteilig und auch hier gab es in der Entwicklung ein Phänomen, das etwas mehr Aufmerksamkeit erforderte, als man sich dies im Sinne einer zügigen Marktreife gewünscht hätte: Resonanzprobleme führten letztlich dazu, dass das zweiteilige Rohr zumindest auf der Seite des Lagers aus dem Vollen gefräst wurde und das so exakt, dass die ineinander gesteckten Teile nicht geklebt, sondern lediglich mit Schrauben fixiert werden. Und auch das Headshell ist mit einer Schraube fixiert - diese hier kann zur exakten Einstellung des Azimuths leicht gelöst werden. Das sollte aber wie immer nur jemand machen, der exakt weiß, was er tut und wie er es tut, denn ein leichter Fehlwinkel kann durch zu grobe Motorik schnell noch viel größer werden. Die Auflagekraft wird über das Gegengewicht eingestellt, dessen Justage an die Methode erinnert, die auch SME bei den modernen Armen verwendet. Das bedeutet: Nach Lösen einer Fixierschraube kann die gesamte Gegengewichtskonstruktion auf Führungsstangen mit Hilfe einer Rändelschraube feinfühlig verschoben werden, um dann nach erfolgter Überprüfung mit der mitgelieferten Tonarmwaage wieder fixiert zu werden. Zwei für einen tiefen Schwerpunkt unter dem „Schlitten“ hängende Gewichte sorgen für die nötige Masse. Zum Austarieren unterschiedlich schwerer Tonabnehmer gehören zwei Gewichtspaare zum Lieferumfang des TRA 9. Der Kenner weiß es zu schätzen, dass die bewegte Masse des Arms sehr nahe um den Lagerblock herum angeordnet ist. Die Skating-Kraft bei der Abtretung wird magnetisch kompensiert. Mit einer Rändelschraube kann der Benutzer das Antiskating feinfühlig einstellen, wobei die rote Markierung der Skala einen guten Mittelwert für die Auflagekraft der meisten gängigen Tonabnehmer darstellt - knapp 2 Gramm. Ich habe den TRA 9 auf dem wunderbaren Laufwerk Transrotor Alto montiert, womit wir in Sachen Höhenverstellung dank der justierbaren Tonarmbasis eine noch komfortablere Lösung als am Tonarm alleine hatten. Bei der Wahl des Tonabnehmers wollte ich es dem TRA 9 bewusst schwer machen: Ein London-Decca-System, namentlich das London Jubilee, sollte es sein, mit dem ich die ersten Töne erlauschen wollte. Dazu ist zu sagen, dass den englischen Tonabnehmern seit Urzeiten der Ruf vorauseilt, wegen ihrer ganz speziellen Nadelaufhängung nur mit den wenigsten Tonarmen zu harmonieren. Nun, das trifft für die moderneren Tonabnehmer des Herstellers nicht mehr ganz so zu - und mit dem Transrotor-Arm hat sich gleich eine wahrhaft glückliche Fügung ergeben. Klar und deutlich arbeitet die Kombination zusammen: Der Arm führt den wuchtigen Tonabnehmer mit einer Souveränität und Kontrolle, die zumindest bei mir keine Wünsche mehr offen ließ. Carlos Kleibers legendäre erste Studioaufnahme aus dem Jahre 1973, Carl Maria von Webers „Der Freischütz“ klingt so aktuell und frisch und dynamisch, als wären seit der Aufnahme nicht schon fast 5 Jahrzehnte vergangen. Die von mir eigentlich immer als recht seicht empfundene Oper entfaltet eine narrative Wucht und musikalische Dynamik, die sie auf eine Stufe hebt mit der legendären „Die Kluge“ vom Eterna- Label. Fundamental, trocken, bedrohlich oder wohlig erklingen die Kontrabässe, während sich die Streichinstrumente in den höheren Lagen zu einem strahlenden, flimmernden Klangkörper zusammenfinden. Sänger werden räumlich deutlich herausgestellt und lassen sich in ihrem individuellen Timbre in jedem Fall klar heraushören - ein weiteres Zeichen der unbedingten Neutralität des TRA 9. Für die Hochtonperformance habe ich eine in dieser Disziplin immer etwas problematische Platte herausgesucht, das Album „Bop ´til you drop“ von Ry Cooder. Meine Pressung dieser Scheibe tut in den höheren Lagen meistens etwas zu viel - nicht so mit dem Transrotor-Arm, der hier zwar nicht die tonale Balance verändert, aber inmitten der überbordenden Hochtonenergie die Übersicht behält und die Angelegenheit absolut durchhörbar macht, und das sogar auf eine sehr angenehme Art und Weise. Im Zuge der Hörtests habe ich dann auf die unterschiedlichsten Tonabnehmer zugegriffen, von leicht bis schwer, von weich bis hart, von van den Hul bis Miyajima: Der TRA 9 spielt mit all diesen Systemen begnadet gut zusammen und muss daher als perfekter Allrounder auf allerhöchstem Niveau gelten!
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Fazit

Der TRA 9 ist ein würdiger Einstieg Transrotors in die Welt der Tonarme: Technisch bis in die letzte Schraube durchdacht und klanglich absolut top!

Preis: um 4300 Euro

Transrotor TRA 9


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Ausstattung

 
Kontakt Transrotor, Bergisch-Gladbach 
Telefon 02202 31046 
Internet www.transrotor.de 
Garantie (in Jahre) k.A. 
Unterm Strich... » Der TRA 9 ist ein würdiger Einstieg Transrotors in die Welt der Tonarme: Technisch bis in die letzte Schraube durchdacht und klanglich absolut top! 

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