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Kategorie: Tonabnehmer
20.10.2015

Einzeltest: Ortofon MC Verismo Heritage / ST-80 SE

High-Tech-MC plus Trafo-Klassiker – das klappt!

Tonabnehmer Ortofon MC Verismo Heritage / ST-80 SE im Test, Bild 1
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Ach, erzählt mir doch nix. Das kommt doch nicht aus Dänemark.

Tonabnehmer Ortofon MC Verismo Heritage / ST-80 SE im Test, Bild 2Tonabnehmer Ortofon MC Verismo Heritage / ST-80 SE im Test, Bild 3Tonabnehmer Ortofon MC Verismo Heritage / ST-80 SE im Test, Bild 4Tonabnehmer Ortofon MC Verismo Heritage / ST-80 SE im Test, Bild 5Tonabnehmer Ortofon MC Verismo Heritage / ST-80 SE im Test, Bild 6Tonabnehmer Ortofon MC Verismo Heritage / ST-80 SE im Test, Bild 7
Die Formgebung des brandneuen Ortofon Verismo und seine technische Fortschrittlichkeit sind so romulanisch, das kann gar nicht von dieser Welt sein.Das auffällige Gehäuse des Verismo wird im „Selective Laser Melting“ – kurz: SLM-Verfahren hergestellt. Das ist ein 3DDruckverfahren für Metallteile, bei dem Laser Metallpartikel zu mehr oder weniger soliden Strukturen verschmelzen. Der Grad der Verschmelzung ist nämlich einstellbar und beim Verismo-Gehäuse nicht konstant: Außen gibt’s einen homogenen Gitterverbund unter den Metallatomen, weiter innen eine weniger dichte und geordnete (amorphe) Struktur. Auf diesem Wege lassen sich Härte und Steifigkeit mit Dämpfung an den richtigen Stellen kombinieren. Die Struktur des Gehäuses lässt eine klare Zweiteilung erkennen. Während der hintere „Schenkel“ ausschließlich der Aufhängung der Anschlusspins dient, ist der Generator im Vorderteil untergebracht, jenseits des „großen Grabens“ in der Mitte. Der Generator ist extrem kompakt aufgebaut, was nur durch den Einsatz eines sehr effizienten Neodym-Magnetsystems möglich war. Die wiederum sehr leichten Spulen wickelt Ortofon aus vergoldetem, besonders reinem Kupferdraht, der dort „Aucurum“ heißt. Interessante Details gibt’s vom Dämpfungssystem zu vermelden, der den Bewegungsdrang des kreuzförmigen Spulenträgers im Zaum halten soll. Dabei handelt es sich nämlich nicht nur um eine schlichte Gummischeibe, sondern um derer zwei, in deren Mitte eine Platinscheibe angeordnet ist. Und „Gummi“ stimmt auch nicht so ganz, hier kommt genau jener mit Nano-Carbon- Röhrchen angereicherte Werkstoff zum Zuge, der den Job auch beim Luxus-MM „2M Black LVB 250“ macht – ebenfalls in dieser Ausgabe zu bestaunen.   

Besonders exklusiv wird’s am vorderen Ende des edlen Abtasters: Hier ragt nämlich ein Nadelträger aus purem Diamant heraus, der mit einer Nadel mit Replicant- 100 Schliff versehen ist. Diese Kombination war bei Ortofon bis jetzt ausschließlich dem Spitzenmodell Ana Diamond vorbehalten. Das famose Windfeld Ti verdankt seine Meriten zumindest zum Teil ebenfalls einem Replicant-100-Diamanten, muss sich jedoch mit einem Bornadelträger begnügen. Die Nadelform gibt’s bei Ortofon übrigens schon relativ lange, sie zeichnet sich durch eine besondere geometrische Nähe zum Schneidstichel aus. Der sehr kleine und leichte Diamant verfügt über eine große Kontaktzone zur Rillenflanke in der Vertikalen, was für eine besonders präzise Abtastung sorgen soll, außerdem neigt die Konstruktion wenig zu Rillengeräuschen.

Der Abtaster will mit einer Auflagekraft von 25 bis 28 Millinewton betrieben werden, ich bin nach ein paar Versuchen am oberen Limit dessen gelandet – Abtastfähigkeit und tonale Präzision passen da einfach am besten.  

Mit 13 μm/mN Nadelnachgiebigkeit liegt der Abtaster im mittleren Bereich und sollte sich in so ziemlich jedem heutzutage gängigen Tonarm wohlfühlen. 9,5 Gramm Masse sind ebenfalls unauffällig, das lässt sich in jedem Fall ausbalancieren.  

Zumindest auf dem Papier passt der aktuelle Top-Übertrager ST-80 SE bestens an das Verismo. Oben aus dem soliden Metallgehäuse ragen zwei Zylinder, in denen die beiden Transformatoren – für jeden Kanal einer – stecken. Abschirmung ist bei Übertragern ein kritischer Punkt, weshalb Ortofon die Trafos zuerst magnetisch in hochpermeablen Permalloygehäusen gegen Ungemach sicherte, die dann in dickwandigen Aluminiumzylindern stecken, die elektrische Felder unschädlich machen sollen. Der Unterbau dient ausschließlich der Unterbringung der Verdrahtung und der Aufnahme der vier Anschlussbuchsen. Es gibt qualitativ gute Cinchbuchsen der unauffälligeren Sorte und eine Polklemme für die Erdung. Auch dieses Gehäuse ist mindestens zweilagig aufgebaut, wodurch es sich als schwierig erwies, einen Blick ins Innere zu werfen. Der Hersteller verspricht eine Verdrahtung mit vergoldetem Kupferdraht. Bei den Transformatoren setzt Ortofon auf große Kerne mit vielen Windungen und sogar mehr Windungslagen als üblich. Die 1,5 Kilogramm Gesamtgewicht fühlen sich nicht nur gut an, sie haben durchaus eine technische Bewandtnis: Übertrager neigen zur Mikrofonie, eine stabile Unterbringung der Kapseln ist dem Klang auf alle Fälle zuträglich.  

Meine erste klangliche Begegnung mit dem Verismo erfolgte ohne Übertrager, direkt an den Eingängen der Linnenberg- Phonovorstufe. 70 Dezibel Verstärkung, 100 Ohm Abschluss. Ich habe auch 30 Ohm probiert, aber damit klang‘s mir ein bisschen zu schaumgebremst, wenn auch extrem präzise und diszipliniert. Mit 100 Ohm ist das Ortofon nicht weniger als ein Schock. Es offenbart eine derart körperlose Leichtigkeit, eine so gelungene Ablösung des Klangbildes von den Lautsprechern, wie ich es selten erlebt habe. Die Tonalität empfinde ich als vollkommen gerade, ohne auch nur die geringste Bevorzugung irgendeiner Frequenzregion.  

Wir geben Gerry Mulligan und seiner Concert Jazz Band eine Chance. Auch hier braucht es maximal zwei Takte, bis das Ortofon mit seiner vollkommen stressfreien und extrem natürlichen Gangart auffällt. Das ist so wenig künstlich, so selbstverständlich und fein, das gibt‘s extrem selten. Die Bühnengröße stimmt, der Raum wirkt nicht übertrieben, die Bläser klingen entspannt, ganz fein und locker. Und das soll mit dem Übertrager noch besser gehen? Nachdem ein geeignetes Plätzchen für den Übertrager gefunden war - der ST-80 SE erweist sich trotz aller Abschirmung als durchaus empfänglich für Brummeinstreuungen - ließen sich interessante Unterschiede zum reinen „Aktivbetrieb“ ausmachen. Tonal verändert sich die Balance des Geschehens etwas in Richtung Präsenz- und Hochtonbereich. Die Bläser strahlen noch mehr und scheinen etwas mehr Substanz zu haben. Insgesamt klingt‘s „normaler“ als bei direktem Anschluss des Abtasters. Nun dürfte es jedoch unüblich sein, an eine High-Tech-Halbleiterphonovorstufe einen Übertrager anzuschließen, weshalb ich zum Spaß auf eine selbstgebaute Röhrenlösung mit knapp 50 Dezibel Verstärkung und 47 Kiloohm Eingangswiderstand wechselte. Und siehe da – da war sie wieder, die Feingeistigkeit, die tonale Balance, das Zarte und Delikate, das den Abtaster an der Linnenberg direkt auszeichnete. In Sachen Emotionalität und Auflösung geben sich die beiden Konfigurationen tatsächlich praktisch nichts. Das Ergebnis überrascht letztlich nicht, mit beiden Herangehensweisen lassen sich hervorragende Ergebnisse erzielen, ein Übertrager will definitiv richtig eingesetzt werden. Über den Dingen allerdings steht das überragende Ortofon Verismo, ein Abtaster mit gewaltigem Potenzial.
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Fazit

Das überragende Ortofon Verismo zählt definitiv zu den besten Tonabnehmern unserer Zeit und klingt unglaublich natürlich, feingliedrig, ausgewogen und selbstverständlich. Seine Meriten reicht der Ortofon- Übertrager ohne Einschränkungen durch, wenn man ihn mit der richtigen Phonovorstufe kombiniert.

Preis: um 6500 Euro

Tonabnehmer

Ortofon MC Verismo Heritage / ST-80 SE


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Ausstattung

 
Vertrieb Audiotrade, Mülheim 
Telefon 0208 882660 
Internet audiotra.de 
Garantie (in Jahre) 2 Jahre 
Gewicht (in g) ca. 9,5 g 
Unterm Strich... » Das überragende Ortofon Verismo zählt definitiv zu den besten Tonabnehmern unserer Zeit und klingt unglaublich natürlich, feingliedrig, ausgewogen und selbstverständlich. Seine Meriten reicht der Ortofon- Übertrager ohne Einschränkungen durch, wenn man ihn mit der richtigen Phonovorstufe kombiniert. 

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