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Kategorie: Tonabnehmer, Hifi sonstiges
20.10.2015

Systemtest: Miyajima Saboten L, Miyajima ETR-Stereo

Der Stachel sitzt

Tonabnehmer Miyajima Saboten L, Miyajima ETR-Stereo im Test , Bild 1
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Seit dem großartigen „Shilabe“, dem Erstling von Miyajima, bin ich ein großer Fan der japanischen Manufaktur. Das System brauchte Tonarme mit riesiger Masse, hatte so gut wie keine Compliance und musste mit einer so großen Auflagekraft gefahren werden, dass einem Angst und Bange wurde – und es klang einfach großartig.

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Dass das auch etwas gemäßigter geht, zeigt uns das neue System Saboten LVielleicht sollten wir unsere Leser, die mit der Marke Miyajima noch nicht so vertraut sind, mit der Besonderheit der Systeme vertraut machen, die man eben nicht von außen sehen kann. Noriyuki Miyajima hat nämlich eine Art der Aufhängung der beweglichen Teile in einem Tonabnehmer entwickelt, die ohne Spanndraht auskommt. Dies erreicht er, indem er den Gummidämpfer vor den Spulenträger setzt – der Nadelträger wird dann durch den Dämpfer geführt. Von hinten fixiert eine angespitzte Stellschraube den Spulenträger in einem fest definierten Punkt genau in dessen Zentrum. Auf diese Weise können sich die Spulen noch um ihren Drehpunkt bewegen, das lineare Magnetfeld jedoch nicht mehr verlassen. Dazu kommt eine an diese Art der Aufhängung angepasste Wicklungstechnik der Spulen – nichtlineare Verzerrungen werden so minimiert. Die Konstruktion hat systembedingt immer eine ziemlich niedrige Compliance und erfordert daher einen schweren Tonarm und eine vergleichsweise lange Einspielzeit, da sie ausschließlich vom Dämpfungsgummi abhängt. Das Sortiment Miyajimas zeugt von seiner Liebe zu ganz alten Aufnahmen: Es gibt eine ganze Reihe an echten Monoabtastern neben der schönen Auswahl an Stereo- Systemen. Und das Beste daran ist, dass man in die Welt der Miyajima-Systeme immer noch zu einem recht fairen Preis einsteigen kann – ab etwa 2.000 Euro geht es in Stereo los, ein Mono-MC gibt es dagegen schon für unter 1.000 Euro. Kommen wir zu unserem Testsystem, dem Saboten L. Miyajima bietet unter dem Namen Saboten zwei höchst unterschiedliche Tonabnehmer an: Das „einfache“ Saboten, das sich in Sachen Korpus und Ausstattung am günstigen Takumi orientiert, während das doppelt so teure Saboten L den volleren und runderen Korpus der großen Miyajima-Systeme besitzt. Das verwendete Holz beim Saboten L ist kamerunisches Ebenholz – sehr hart und recht schwer, was die Gesamtmasse des Systems auf immerhin 9,5 Gramm anhebt. Alleinstellungsmerkmal der Saboten-Tonabnehmer ist der Nadelträger aus einem Kaktusstachel, der laut Expertenmeinung das ideale Material für diesen Zweck ist. Steifigkeit, gepaart mit hoher innerer Dämpfung sorgt für die ideale Abtastung. Da aber Kakteen selten mit Abtastdiamanten wachsen, wird vorne eine Aluminiummuffe auf das Naturmaterial gesteckt, die die eigentliche Nadel trägt, hier einen Diamanten mit Line-Contact-Schliff. Wie die anderen Stereo-MCs von Miyajima hat das Takumi einen Innenwiderstand von 16 Ohm und liefert eine Ausgangsspannung von etwas mehr als 0,2 mV – damit ist es verhältnismäßig leise. Mehr als 60 dB Verstärkung wäre also angeraten, beziehungsweise eine Phonostufe mit einem sehr guten Rauschabstand. In diesem Test soll aber der hauseigene Stereo-Übertrager von Miyajima eine entscheidende Rolle spielen – als eigenständiges und extrem vielseitiges Gerät und im Zusammenspiel mit dem Saboten L selbstverständlich. Der Nadelschutz ist aus Silicon, schützt aber ausreichend Die empfohlene Auflagekraft für das Saboten L liegt bei 3 mN. Die dynamische Compliance wird mit 8 mm/N angegeben, wobei Miyajima selbst angibt, dass er das Saboten L als schwierig zu handhabendes System betrachtet. Kommen wir nun zum Übertrager ETR-Stereo, der bei näherer Betrachtung aussieht wie ein Gerät aus der Studiotechnik, so viele Einstellmöglichkeiten bietet er über Regler an der Frontplatte. Hier, muss ich sagen, hier ist die Antwort auf viele Gebete der Audiophilen: Ein in nahezu jedem Parameter einstellbarer Übertrager, und das in einem so weiten Bereich, dass ich sagen würde: Das MC-System, das mit diesem Übertrager nicht funktioniert, gibt es nicht. Systeme mit einem Innenwiderstand von 2 bis 100 Ohm finden Anschluss, während zusätzlich noch die Ausgangsimpedanz zwischen 3,6 Kiloohm und 47 Kiloohm variiert werden kann. Miyajima verwendet allerdings keine Widerstandswerte auf der Skala hinter dem Regler, sondern gibt die jeweils verwendete Anzahl von Windungen der primären beziehungsweise sekundären Spule an. Das ist aber die einzige objektive Möglichkeit der Beschriftung, denn die Impedanz des angeschlossenen Systems und die der nachgeschalteten Phonostufe spielen natürlich auch eine Rolle. Das Übertragungsverhältnis ist damit zwischen 11 und 40 Dezibel einzustellen. Zum allem Überfluss kann auch noch die Eigenresonanz, die fast jedes MC irgendwo im Brillanzbereich aufweist, mit einer einstellbaren Eingangskapazität wirkungsvoll unterdrückt werden. Für das Saboten L wählte ich laut Herstellerempfehlung 80 Windungen am Eingang und 4700 Windungen am Ausgang, dazu eine Ausgangsimpedanz, die laut Rechnung auf einen Wert ab 8 Kiloohm eingestellt werden. Der Kapazitätsschalter blieb erst einmal auf null. In Sachen Klangdetails kann ich natürlich nach all den Jahren keinen Vergleich mehr zum Shilabe anstellen, das mich zu seiner Zeit über alle Maßen begeistert hat. Gefühlsmäßig geht es aber in dieselbe Richtung – hohe Präzision und Wiedergabetreue im feinsten Detail, gepaart mit einer immensen Dynamik und überschäumender Spielfreude. An einem schweren Arm (in meinem Fall in erster Linie ein SAEC WE407/23 mit Keramik-Headshell) läuft das Saboten L zu ganz großer Form auf, schon an einer „normalen“ Phonovorstufe mit MC-Fähigkeit. Okay, meine altehrwürdige Accuphase C-280 ist in der Beziehung nicht von schlechten Eltern. Mit der Accuphase auf MM gestellt und dem Übertrager dazu muss sich die MC-Stufe der Accuphase vielleicht nicht in Sachen Präzision und Feinauflösung geschlagen geben, wohl aber in der Kategorie „musikalischer Fluss“. Es ist wirklich immer wieder erstaunlich, was dabei herauskommt, wenn ein System und ein Übertrager gut zusammenpassen. Und ja, es ist mit bewusst, dass hier keine extrem breitbandige Linearität herrscht, weil sich einige elektrische Parameter gegenseitig beeinflussen. Hier gibt es schön angereicherte Klangfarben über einem atemberaubend schwarzen Tieftonfundament. Bass und tieffrequente Impulse werden angemessen dynamisch und trocken serviert. Der Stimmen- und Mitteltonbereich verfügt über genügend Ausdrucksstärke, um sich gegen diese Kraft zu behaupten und die wichtigsten musikalischen Informationen ins rechte Licht zu rücken. Der Hochtonbereich setzt die klare Linie das Systems fort – eine gute Mischung aus Glanz und Luftigkeit, die aber immer fein dosiert genug bleibt, um sich nicht in den Vordergrund zu drängen. An dieser Stelle konnte ich auch einmal den Effekt des Kapazitätsschalters ausprobieren: Tatsächlich lassen sich die Höhen so gut dosieren, wenn es auch bei dem mit der „Werkseinstellung“ sehr neutralen Saboten L nicht nötig ist. Sollte ein MC-System Probleme mit einem überzogenen Hochtonbereich haben, dann ist der ETR-Stereo das Mittel der Wahl. Gemeinsam überzeugen System und Übertrager nicht nur durch ihre hervorragende Linearität und Dynamik, sondern auch mit der damit einhergehenden Raumabbildung, die aus der Information in der Rille alles herausholt und so ein stabiles, großes und klar umrissenes Bild der Bühne zeichnet. Aus dieser Ausgewogenheit und Gleichberechtigung starker Einzeldisziplinen machen Saboten L und ETR-Stereo einen Gesamtauftritt, der qualitativ noch über der Summe der Einzelteile liegt und gerade auch in seiner Langzeittauglichkeit einfach nur überzeugt.
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Fazit

Das Saboten L ist – gerade in Verbindung mit dem vielseitigen Übertrager ETR-Stereo – mit allen Qualitäten der Miyajima-Tonabnehmer ausgestattet und darüber hinaus das ausgewogenste System des japanischen Spezialisten.

Preis: um 5280 Euro

Miyajima Saboten L


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Preis: um 2000 Euro

Miyajima ETR-Stereo


07/2018 - Thomas Schmidt

Ausstattung

 
Vertrieb WOD-Audio, Nidderau 
Telefon 06187 900077 
Email info@wodaudio.de 
Internet www.wodaudio.com 
Innenwiderstand (in Ohm) 16 
Ausgangsspannung 0,23 mV 
Frequenzumfang 20 Hz – 31 kHz 
Empfohlende Auflagekraft 3,0 mN 
Nadelschliff Line Contact 
Compliance (in mm/N)
Gewicht (in g) 9.5 
Unterm Strich... Das Saboten L ist – gerade in Verbindung mit dem vielseitigen Übertrager ETR-Stereo – mit allen Qualitäten der Miyajima-Tonabnehmer ausgestattet und darüber hinaus das ausgewogenste System des japanischen Spezialisten. 

Ausstattung

 
Kategorie Übertrager 
Preis (in Euro) 2000 
Vertrieb WOD-Audio, Nidderau 
Telefon 06187 900077 
Internet www.wodaudio.com 
E-Mail info@wod-audio.de 
Abmessungen (B x H x T in mm) 150/70/200 
Gewicht (in kg)

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