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Kategorie: Tonabnehmer
20.10.2015

Einzeltest: Audio-Technica AT5V

Dein blaues Wunder

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Holger Barske
Holger Barske

Von der HiFi-Gemeinde weitgehend unbeachtet, gibt’s im Audio-Technica-Programm ein  echtes Kleinod von MM-Tonabnehmer. Höchste Zeit, das mit dem „unbeachtet“ zu ändern.

Das Ding heißt AT5V und kostet einen Hunderter. Das ist zwar viermal so viel wie das unsterbliche AT95E, aber auch nur rund ein Hundertstel eines Lyra Atlas. Ich würde das als eine sehr vernünftige Preisklasse für ein Verschleißteil wie einen Tonabnehmer ansehen. Aus der Transportbox purzelt ein dezent dunkelblau verkleideter schwarzer Kunststoffkorpus. Es gibt einen ausgezeichnet funktionierenden Klappnadelschutz, der sich im „Betriebsmodus“ nahtlos in den Systemkörper integriert und somit komplett aus dem Weg ist. Der Hersteller des gut sechs Gramm schweren Abtasters nennt die Baureihe „VM Type“ und meint damit die besondere Bauform des Generators, der praktisch die Umkehrung eines Schneidkopfes darstellt: Aus den senkrecht angeordneten Spulen ragen abgewinkelte Kerne, über deren kurzen Schenkeln die beiden Magnete ihr Tänzchen aufführen, denen das Abtasterprinzip (MM, Moving Magnet) seinen Namen verdankt. Jene Magnete sind kurze zylindrische Stäbchen, die V-förmig auf dem hinteren Teil des Nadelträgers montiert sind – die kann man übrigens von außen erkennen (und sich wundern, wie winzig die Dinger in der Praxis sind). Vom größeren Modell AT150MLX stammt die Nadelträgeraufhängung mittels Edelstahldraht. Jener (der Nadelträger) ist ein klassisches Aluminiumröhrchen, vorne dran sitzt ein konischer Diamant. Den haben eine ganze Reihe unsterblicher Tonabnehmerklassiker auch – es müssen ja nicht immer die hochsensiblen Winzdiamanten mit den extremen Schliffen sein. Empfohlene Aufl agekraft: 18 bis 22 Millinewton.  Die Nadelnachgiebigkeit ist mit 35 mm/N  angegeben, wir haben es also mit einem  eher weichen System zu tun, das auch an  leichten Tonarmen laufen sollte. Für den Fall der Fälle ist der Nadeleinschub übrigens austauschbar, wie bei MMs   üblich. Er heißt ATN5V und kostet rund zwei Drittel des kompletten Abtasters. Nicht schön, aber besser als nichts. Der Einbau des Abtasters gestaltet sich weitgehend unproblematisch, man kann allerdings die tief unter dem Gehäuse verschwindende Nadel für die Einstellung nur mit Mühe erkennen – geschenkt, mit Taschenlampe geht’s. MM hat was. Sag ich ja immer. Es hat dieses komplette, lückenlose, geschmeidige Klangbild. Auch das AT5V. Das allerdings hat, nachdem nach den ersten paar Stunden Spieldauer die Kratzigkeiten im Präsenzbereich verschwunden sind, noch viel mehr, nämlich: Eier. Einen eingebauten Dynamik-Turbo. Das Ding legt dermaßen los, dass ein Denon DL-103 dagegen müde tönt. Das AT5V knackt, drückt, schiebt und swingt – kaum zu glauben in dieser Preisklasse.
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Preis: um 100 Euro

Audio-Technica AT5V


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