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Kategorie: Tonabnehmer
20.10.2015

Einzeltest: Audio-Technica AT33EV

Vollblutmusiker

Tonabnehmer Audio-Technica AT33EV im Test, Bild 1
5275

Mindestens einen Audio-Technica-Tonabnehmer hat jeder von uns schon einmal sein Eigen genannt. Von der ultimativen 30-Euro- Geheimwaffe AT95 bis hin zu den heiß begehrten Sammlerstucken vergangener Tage reicht die Systempalette.

Tonabnehmer Audio-Technica AT33EV im Test, Bild 2Tonabnehmer Audio-Technica AT33EV im Test, Bild 3Tonabnehmer Audio-Technica AT33EV im Test, Bild 4Tonabnehmer Audio-Technica AT33EV im Test, Bild 5Tonabnehmer Audio-Technica AT33EV im Test, Bild 6
In den vergangenen Jahren schien es aber hierzulande etwas ruhiger geworden zu sein um die Marke mit der grosen Tradition

Mitspieler

Plattenspieler:

Rossner & Sohn Chameleon
The Funk Firm Vector III
Acoustic Signature Ascona


Phonoverstärker:

Trichord Dino MKII
Quad 24P Phono
Malvalve Preamp Three Phono
PS Audio GCPH modifiziert

Verstärker:

Malvalve Preamp Four Line und Accustic Arts AMPII MK2
Heed Orbit Si mit X2-Netzteil
Olga Röhrenverstärker


Lautsprecher:

Lansche Cubus
German Physiks Unicorn MkII

Zubehör:

Basen von Thixar und Accurion
Netzkabel von HMS und PS Audio
Phonokabel von Nordost, Horn und Furutech 
NF-Kabel von van den Hul

Gegenspieler


Tonabnehmer:

Benz ACE SL
Nagaoka MP-500
Denon DL103R
Phase Tech P-3G
Blickt man ganz weit in Richtung aufgehende Sonne, dann sieht man das Land, in dem sich die Fans wohl am hingebungsvollsten der klassischen analogen HiFi-Technik widmen. So weit ist das keine Überraschung. Verblüfft reagiert man erst dann, wenn man sieht, dass Hersteller mit einer vermeintlich längst vergangenen großartigen Analog-Tradition in Japan durchaus immer noch ein beachtliches Sortiment hochwertiger Produkte anbieten, von denen kaum jemals etwas in unsere Gefilde kommt. Offensichtlich unterschätzen die Konzerne die Bedeutung des europäischen Analogmarktes (oder wir überschätzen ihn) – auf jeden Fall gab und gibt es einige Schätze zu entdecken, so auch ein gewisser MC-Tonabnehmer von Audio-Technica. Die Fans der Marke setzten Himmel und Hölle in Bewegung, um das durch seine Nicht-Verfügbarkeit fast schon sagenumwobene AT33PTG nach Deutschland zu holen. Der Handel mit Grauware boomte, in Internetforen gab es Aufrufe zu Sammelbestellungen – den einen oder anderen japanischen HiFi-Händler wird es gefreut haben. Heute gestaltet sich die Situation erfreulicher: Abgesehen davon, dass Tonabnehmer auf der Audio-Technica-Webseite unter „Sonstige Produkte“ geführt werden, erblickt das erfreute analoge Auge ein reichhaltiges Sortiment an Systemen, deren Spitzenmodell das aktuelle AT33EV darstellt. EV steht dabei für „Evolution“ – eine Weiterentwicklung des 2006 in einer limitierten Stückzahl verkauften AT33ANV. Des Weiteren gibt es noch ein bauartgleiches Monomodell, während die Ausführung mit dem Kürzel „PTG“ nach wie vor nur in Japan erhältlich ist. Der Hauptunterschied besteht darin, dass das EV einen etwas zahmeren Nadelschliff hat als das PTG – elliptisch mit Verrundungsradien von 0,3 mal 0,7 Mikrometern. Die benötigte Auflagekraft liegt etwas höher: um die 2 Gramm sind richtig. Seit jeher außergewöhnlich ist das Aussehen aller AT33-Derivate: Kantig und sehr massiv sieht der Abnehmer aus – in Sachen Masse verhält es sich aber (ähnlich wie beim Denon DL-103) andersherum: Gerade einmal 6,9 Gramm bringt das Audio-Technica auf die Waage, oder anders gesagt: Man bekommt bei einem UVP von 599 Euro gut ein Gramm Tonabnehmer für 100 Euro – da haben wir bei hochwertigen MCs schon schlechtere Kurse gesehen. Die Spulen des Generators bestehen aus hochreinem Kupferdraht, der auf einen gehärteten Träger gewickelt ist, um an dieser Stelle keine Resonanzen entstehen zu lassen. Der elliptische Diamant sitzt auf einem Nadelträger aus Duraluminium, der – der Hauptunterschied zum Vorgänger – konisch zuläuft und so bei besserer Steifigkeit weniger Masse mit sich herumträgt. Trotz der Leichtbauweise besteht das Gehäuse nicht aus Kunststoff, sondern aus hochwertigen Metalllegierungen – selbst die verwendeten Schrauben sind aus Messing. Montiert wird das AT33 mit Schrauben und Kontermuttern – dies kommt natürlich der Verwendung an älteren Tonarmen entgegen, wo ja die Befestigung des Systems am Headshell noch häufig von unten geschieht. Und an einem älteren Plattenspieler – einem Thorens TD320 mit weiter vorne im Heft vorgestellter Basis – begann auch der Praxistest. Montieren und Justieren stellt aufgrund der Formgebung kein Problem dar. In Sachen Anschluss an die Phonostufe gibt es ebenfalls keine großen Herausforderungen: Das AT33EV bietet mit 0,3 Millivolt eine gesunde Ausgangsspannung und will mit seinen 10 Ohm Innenwiderstand mit etwa 100 Ohm abgeschlossen werden. In der Bedienungsanleitung steht übrigens die explizite Empfehlung, das System mit einem passenden Übertrager zu betreiben – das lassen wir uns nicht zweimal sagen! Zunächst aber ohne Transformator: An der vorzüglichen Audio Exklusiv P2 legte sich das System ganz ohne große Einspielzeit schon mächtig ins Zeug. Quasi aus der Verpackung heraus ließ sich das Audio-Technica tonal nichts zu Schulden kommen und musizierte ausgeglichen mit einem leichten Hang in Richtung satte Klangfarben – was übrigens einer der Beweggründe der Konstrukteure war, einen elliptischen Nadelschliff zu verwenden. Im Vergleich zum hauseigenen Konkurrenten ATOC9ML tönt das AT33EV deutlich runder und – wenn man will – fetter, während der Präsenz- und Brillanzbereich sich zurückhalten. Offen gestanden: Ich bin nie ein sehr großer Freund des AT-OC9 gewesen, das mir (in meinen Setups) immer etwas zu sezierend und nervös vorgekommen ist. Deutlich sympathischer kommt das AT33EV herüber, das eine richtiggehende Erdverbundenheit und Kraft vermittelt – es ruht im wahrsten Sinne des Wortes in sich. Dass es dabei durchaus auch Feinheiten auflösen kann, beweisen beispielsweise alte Bob-Dylan-Aufnahmen, bei denen man trotz ihrer historischen Klangqualität bei jedem Anschlag die einzenen Saiten der Akustikgitarre „auseinander-hören“ kann. Das Ganze funktioniert auch im größeren Rahmen: Großorchestrale Klassik, wie die Carmina Burana mit dem London Symphony Orchestra unter André Previn wird als Ganzes monumental und durchschlagskräftig wiedergegeben – wenn man möchte, kann man aber dem Klangkörper akustisch näherrücken und problemlos die vielen einzelnen Bestandteile dieser großen Klangcollage betrachten. Auf einem richtig dicken Laufwerk, wie dem Acoustic Signature Ascona, das buchstäblich mit seinen Pfunden wuchert, wird der tieffrequente Auftritt des AT33EV noch etwas energischer und gewinnt gleichzeitig an Kontur. Der warme, volle Grundcharakter bleibt erhalten, gewinnt aber eine neue Qualität in Sachen Kontur und Disziplin: Das Audio-Technica reicht wirklich abgrundtief in den Keller hinab, produziert einen satten Bass, der aber auch nicht aufdickt und vor allem nichts verschmiert oder wummert. Mit dem passenden Übertrager (ein Übersetzungsverhältnis von 1:10 ist hier völlig ausreichend) klingt das AT33EV nicht dramatisch anders als direkt an der MC-Stufe. Mit viel Geduld beim Hören kann man vielleicht das eine oder andere Quäntchen mehr Charme oder Musikalität heraushören: Für den einen den Aufwand und die Kosten vielleicht nicht wert, für den anderen das Tüpfelchen auf dem i der Wiedergabequalität eines ungemein sympathischen und hochwertigen Tonabnehmers, der die analoge Landschaft um eine schöne Stimme bereichert.

Fazit

Satt, voll, dynamisch: Das AT33EV ist unter den bezahlbaren Tonabnehmern vielleicht das mit dem meisten Herzblut. Schön, dass die große Audio-Technica-Tradition auch hierzulande weiterlebt.

Preis: um 599 Euro

Tonabnehmer

Audio-Technica AT33EV


-

Ausstattung

 
Preis: 599 
Vertrieb: Audio Technica, Mainz 
Telefon: 06134 257340 
Internet: www.audio-technica.de 
Frequenzgang: 15 - 50000 
Ausgangsspannung: 0.3 mV 
Kanaltrennung: 30 dB 
Übersprechen: 0.5 dB 
Auslagekraft (empfohlen): 2.0 g 
Gleichstromwiderstand: 10 Ohm 
Empfohlener Abschlusswiderstand: >100 Ohm 
Dynamische Nadelnachgiebigkeit (mm/ N): 10 
Abtastdiamant: elliptisch 
Gewicht(in Kg): 0.0069 

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