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Kategorie: Schallplatte
20.10.2015

Musikrezension: Dota Kehr – (Mascha) Kaléko (Kleingeldprinzessin Records)

Dota Kehr – (Mascha) Kaléko

19677
Michael Bruss
Michael Bruss

Mit deutschem Pop tue ich mich immer ein wenig schwer, um ganz ehrlich zu sein. Insbesondere, wenn er mit einer Aura eines emotional-intellektuellen Elitarismus einhergeht.

Die Befürchtung, dass auch Dota Kehr’s neues Album „Kaléko“ in diese Kerbe schlagen würde, hatte ich schon so ein bisschen – doch zum Glück führen Konzept und Aufmachung weitestgehend in die Irre. Dota Kehr singt auf ihrem neuen Album nämlich erstmals keine selbstgeschriebenen Texte, sondern macht sich die Poesie von Mascha Kaléko musikalisch zu Eigen. Die kann man getrost als „Schwester im Geiste“ eines Joachim Ringelnatz oder Erich Kästner bezeichnen. Sie schuf ihre innige, bisweilen ironische, oft herzblutig beseelte Großstadtlyrik in den 1920 und 30er Jahren in Berlin, bevor sie als deutsche Jüdin nach New York emigrieren musste. Die schlichte Eleganz und zeitlose Strahlkraft ihrer Dichtkunst passt Dota Kehr wie angegossen. Die größtenteil doch recht zarten, alles andere als discotauglichen Kompositionen passen auf eine berührend symbiotsiche Weise zu den intimen Texten von Mascha Kaléko. Dazu holt Dota Kehr sich bekannte Duett-Partner wie zum Beispiel Alin Coen, Uta Köbernick und Hannes Wader mit ins Boot. Und die Reise ist äußerst abwechslungsreich – besonders schön lyrisch vertont in „Kein Kinderlied“, das sich poetisch mit der Reise (des Lebens) auseinanderstezt und den musikaischen Kontrapunkt zum Titel setzt. Die Kastagnetten verstärken den Eindruck einer beschwingten Fahrt, eines flotten Ritts noch weiter. Auch klanglich top!

Fazit

Intime, berührende Vertonung wunderschöner Texte mit tollen Stimmen.
Dota Kehr – (Mascha) Kaléko (Kleingeldprinzessin Records)


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