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Kategorie: Lautsprecher Stereo
20.10.2015

Einzeltest: Cerwin Vega CLS-12

Rock‘n‘Roll

Lautsprecher Stereo Cerwin Vega CLS-12 im Test, Bild 1
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Sie sind wieder da: die legendären Lautsprecher mit der auffälligen roten Sicke. Die Lautsprecher des renommierten Lautsprecherherstellers Cerwin Vega sind nach langer Abwesenheit wieder im deutschen Fachhandel erhältlich.

Als Einstimmung auf die nach eigenem Bekunden „lauteste Marke der Welt“ orderten wir ein Paar ausgewachsene Standboxen namens CLS-12.Kennern der Szene ist Cerwin Vega ganz bestimmt ein bekannter Begriff. Bereits seit 50 Jahren entwickeln und fertigen die Amerikaner Lautsprechersysteme mit der markanten roten Sicke, die sich traditionell durch enorme Leistungsfähigkeit, nahezu grenzenlose Dynamik und außergewöhnliche Robustheit auszeichnen. Kein Wunder, denn die Wurzeln von Cerwin Vega liegen in der professionellen Beschallungstechnik begründet. Es gibt wohl kaum eine Rockband, die auf Tourneen und Open-Air-Festivalsnicht mit den Profilautsprechern von Cerwin Vega in Kontakt gekommen wäre. Im Musikerbereich gelten andere Gesetze als im Heim-HiFi-Sektor, denn dort sind hohe Schalldrücke, abgrundtiefe Bässe und die sprichwörtliche „Unkaputtbarkeit“ Garanten für ein mitreißendes Live-Erlebnis. Die technischen und akustischen Erfahrungen aus dem anspruchsvollen Profisektor hat Cerwin Vega schon immer in ihre Heim- und Caraudio-Lautsprecher einfließen lassen, auch der klangliche Ansatz kommt definitiv aus der Livemusik-Szene. Mit Cerwin-Vega-Lautprechern kann man prinzipiell prima HiFi genießen, keine Frage. Doch Schönzeichner, Leisetreter oder Filigrankünstler sind die Boxen mit der roten Sicke nicht – viel mehr stehen Druck, Dynamik und ungebremste Spielfreude im Vordergrund. Erreicht werden diese Tugenden nicht durch technische Raffinessen, hochkomplizierte Schaltungen oder exotische Lautsprecherkonstruktionen, sondern durch den Einsatz altbewährter Hornkonzepte und ausgereifter, robuster Treiber. Besonders die preislich hochattraktive neue CLS-Serie setzt ganz klar auf riesige Membranflächen beim Basstreiber in ausreichend großen Bassreflexvolumen und die typischen Hornaufsätze beim Mittel- und Hochton. Denn nur so erreicht man unkomprimierte Schallwiedergabe bei hohen Pegeln und niedrigsten Verzerrungen.
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6 Liter Hubraum, niedrige Drehzahl

Wollte man Lautsprecher mit einem Automotor vergleichen, wäre eine moderne, kompakte Regalbox in etwa der 1,4-Liter-Turbomotor, der mit hoher Drehzahl und ausgefeilter Motorelektronik über 100 PS liefern kann. Ein gar nicht so schlechtes, tadelloses Prinzip, nur laufen alle Komponenten auf etwa 95 % ihrer physikalischen Grenzen. Ganz anders der 6-Liter-V8-Motor, der bereits im Leerlauf gigantisches Drehmoment liefert und seine ungeheure Leistung mal eben aus dem Ärmel schütteln kann. So ähnlich verhält es sich mit großen Membranen in großen Gehäusen: Für hohen Schalldruck braucht es wenig Membranhub, was geringen Verzerrungen enorm entgegenkommt. Auch eine Hornkonstruktion im Mittel- und Hochton erhöht den Wirkungsgrad der Lautsprecher (so funktionieren Megafone oder die vor dem Mund trichterförmig gehaltenenHände), weniger Leistung wird benötigt und Verzerrungen sinken auf niedrigste Werte.

CLS-Serie

Unser Testmuster CLS-12 verfügt über alle der oben genannten Konstruktionsprinzipien: einen robusten 30-cm-Tieftöner mit kräftigem Magnetantrieb im 100-Liter-Bassreflexgehäuse, einen 16-cm-Mitteltöner mit CAD-optimiertem Hornaufsatz und einen Kalotten- Hochtöner mit vertikal bündelndem und horizontal streuendem Horn. So werden störende Schallreflexionen von Zimmerboden und -decke minimiert, Hochtonanteile aber über eine weiten Hörbereich horizontal verteilt. Ans Stichwort „Robustheit“ ist Cerwin Vega ebenfalls pragmatisch herangegangen: Ein feingelochtes Metallgitter schützt perfekt die empfindlichen Membranen, dazu rettet eine elektrische Feinsicherung im (unwahrscheinlichen) Ernstfall einer Überlastung den Treibern der CLS-12 das Leben. Etwas weniger robust ist das recht einfach konstruierte Holzgehäuse der CLS-12, doch für den Einsatz zu Hause oder gelegentlichen Transport zu einer Party reicht dies völlig aus. Was am meisten überrascht und erfreut, ist der Verkaufspreis von knapp 800 Euro pro Paar, angesichts der Profitechnik und enormen Leistungsfähigkeit der CLS-12 ein echter Hammer!
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Labor und Hörtest

Man sagt Hörnern ja oftmals eine klangverfärbende Wirkung nach. Stimmt aber nur dann, wenn das Horn nicht korrekt oder ohne Sorgfalt konstruiert wurde. Im Falle der CLS-12 kamen allerdigs 50 Jahre Erfahrung und eine aufwendige Computersimulation bei der Hornentwicklung ins Spiel, was sich sehr positiv in dem linearen und ausgewogenen Frequenzgang bemerkbar macht. Eine leichte Hochtonabhebung stellen wir ab ca. 10 kHz fest, was sich aber als angenehme „Frische“ im Klang bemerkbar macht, außerdem verschwindet diese Anhebung, wenn man die Box nicht ganz exakt auf den Hörplatz ausrichtet (ca. 15°-Winkel). Die Verzerrungen der CLS-12 sind erwartungsgemäß sehr gering und bleiben auch bei sehr hohen Pegeln extrem moderat. Bereits bei einem Pegel von nur 1 Watt erreicht die Cerwin Vega einen beachtlichen Schalldruck von rund 92 dB (1 Meter), mehr als doppelt so laut wie manch anderer konventionelle HiFi-Lautsprecher. Daher konnten wir den Hörtest mit einer „kleinen“ 2 x 50-Watt-Endstufe wagen, obwohl die CLS-12 nominell sogar bis zu 300 Watt vertragen soll. Natürlich habe ich als aktiv spielender E-Bassist zum Hörtest die CD „The Sun don‘t lie“ von Marcus Miller eingelegt. Sein knackig gespielter Fender-Jazz-Bass klingt mit den CLS-12 derart dynamisch und livehaftig, als würde er mit einer ausgewachsenen Ampeg-Bassanlage direkt im Hörraum spielen – und ich weiß, wie das klingt und wovon ich rede! Natürlich haben alle im Hörraum verfügbaren Alben von U2, den Stones, Eric Clapton und Co. den CD-Player gefüttert. Ergebnis: Die CLS-12 macht richtig Spaß und Laune auf noch mehr Musik. Der Lautstärkeregler wanderte im Laufe des Hörtests immer weiter nach rechts, denn selbst brachiale Lautstärken sind für die Cerwin Vega kein sichtliches Problem. Doch halt, laut und dynamisch ist ja prima, aber was hat die Box mit den roten Sicken bei Stimmen und akustischen Instrumenten drauf? Eine ganze Menge, denn die sonore Stimme von Johnny Cash beherrscht die CLS-12 ebenso verfärbungsarm wie die wunderschöne räumliche Atmosphäre von „The Man Comes Around“.

Fazit

Wer einen edel verarbeiteten, audiophilen Kleinlautsprecher mit Echtholzoptik sucht, ist bei Cerwin Vega völlig falsch. Ganz andere Tugenden stehen bei dieser Ausnahmebox im Vordergrund, nämlich ihre ungebremste Dynamik, ein ungeheuer druckvoller und sauberer Tiefbass und eine Spielfreude, die knackige Gitarrensounds wie den von Angus Young (AC/DC) erst richtig zur Geltung kommen lassen. Auch leisere Gangarten beherrscht die Amerikanerin natürlich problemlos, fühlt sich aber mit echtem Rock‘n‘Roll eigentlich am allerwohlsten. Mit der CLS-12 von Cerwin Vega macht Musik richtig Spaß – ich hatte jedenfalls eine ganze Menge davon.

Preis: um 800 Euro

Lautsprecher Stereo

Cerwin Vega CLS-12

Oberklasse


08/2009 - Michael Voigt

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